Der Turmbau zu Linden

Am Deisterplatz ist Kreisverkehr, die einen Straßen führen in die Ferne, die anderen nach Linden. Die einen wollen rein, die anderen wollen raus, und für Kurt, der bei scheußlichem Regenwetter neben dem ollen Turm steht, dreht sich doch alles immer nur im Kreise.

Rein wollte zum Beispiel die Carlyle-Group, rein in das Ihmezentrum. Die Pläne tönten groß, man dachte fast an den biblischen Turmbau zu Babel. Wohlan! Lasst uns ein Einkaufszentrum bauen, dessen Kosten bis an den Himmel reichen! Und so strichen sie das Geld anderer Leute ein, türmten Schulden auf und ließen allerlei Arbeiter im Beton sägen, bohren und hämmern, um das triste Grau der Siebziger Jahre in die triste Glas- und Stahl-Ästhetik der Nuller Jahre umzumodeln, auf das die Menschen ihr immer weniger vorhandenes Geld in Lach- und Fachmärkten ausgeben. Doch der Herr der Finanzen schaute von der fernen Berliner Landesbank aus auf dieses umtriebige Treiben und stellte fest, dass es doch bessere Anwendungen für Geld als die gute, alte Verbrennung gibt; und so brach das windige Kartenhäuschen aus Bullshit und fortgeschrittener Volksverblödung einfach in sich zusammen. Der Bauherr ist offenbar gar nicht erst am Säckel krank geworden, sondern war es schon von Anfang an. Die Sprache ist seit diesen Ereignissen ein wenig verwirrt, und an Stelle einer Kommunikation schieben sich Carlyle und Berliner Landesbank gegenseitig den Schwarzen Peter zu — den Rest erledigt der Insolvenzverwalter. Aus dem grauen Turm wurde, nachdem er mehr als ein Jahr lang die größte Baustelle der Stadt war, die größte Ruine der Stadt, und die Verantwortlichen sind längst getürmt. Ob wohl nun noch jemand etwas mit der Ruine anfangen will? Also: Jemand anders als der Schuppen 68? So groß vor Kurzem noch die Pläne tönten, so mickrig das jetzige Gehabe.

Es dreht sich halt alles im Kreise am Deisterplatze, die einen wollen rein und die anderen wollen raus. Die Sprache ist verwirrt, die hannöversche Presse schweigt gar völlig zu diesem kommunalpolitischen Großzirkus, und die Zeche zahlen wohl die Bürgen der Stadt. Ach nee, das heißt ja „Bürger“.

Raus möchte jetzt wohl am liebsten so mancher Bewohner des Ihmezentrums. Wer will schon gern in einer Ruine leben? Manchmal kann sich erworbenes Wohneigentum in ein rechtes Wahneigentum verwandeln, und aus dem Traum von der eigenen Wohnung wird der Albtraum eines Klotzes, den man am Bein hängen hat und dem man beim täglichen Zerfall der Substanz und beim Wertverlust zuschauen kann. Egal, was die Werber schwülstig schwätzen, aus einem Menschenschließfach aus Beton wird eben doch kein Park.

Wer hat eigentlich ernsthaft geglaubt, dass ein 08/15-Einkaufszentrum am Rande der Stadt Hannover genügend Strahlkraft entfalten könnte, um massenhaft Kaufvieh anzulocken? Es handelt sich ja nicht um die Innenstadt mit der damit verbundenen Laufkundschaft und einer eigenen Attraktivität. Die Lindener haben jedenfalls bessere, gemütlichere und schönere Orte zur Auswahl, wenn sie sich die paar Güter des täglichen Bedarfes kaufen wollen — und deshalb ist seit den Siebziger Jahren die Geschichte des Ihmezentrums eine Geschichte der Pleiten. Hol es doch der Gerichtsvollzieher! *kuckuck!*

Es geht eben immer im Kreis, und manchmal kann einem schon ganz schwindlig werden — bei so viel Schwindel. Während sich an der ollen Hanomag ein Arbeiterdenkmal auf einen überdimensionierten Hammer stützt, bleibt die unerledigte Arbeit in der Ruine weiterhin liegen. Weiß der Pleitegeier, was daraus noch werden soll. Unvergessen bleibt uns allen, wie der warme Fiebertraum der Modernität aus den Siebziger Jahren drei Jahrzehnte später aussah — das liefert gleich einen Eindruck davon, wie die heutigen Beglückungsideen der Architekten in einer gar nicht so fernen Zukunft wirken könnten:

Vor etwa 30 Jahren war der Gebäudekomplex ein Symbol der Stadtmoderne und wurde folglich auch als Motiv für Ansichtskarten verwendet

Gute Nacht!

Linden-Park-Blume

Linden-Park-Blume

blühende Landschaften – ein Traum aus Stahl und Beton

Ihmezentrum-Zirkus

Ihmezentrum - Circus

Gesehen, genickt, geknipst in unser aller Betonburg Ihmezentrum (von wegen „Linden-Park“)…  ;-)

Die Bar

Wer im kühlen Märzen seine Schritte längs der Limmerstraße schleifen lässt, der kann mancherlei in seine müden Augen saugen. Auf der Mitte des Verlaufes der Straße, gleich gegenüber einer großen Spielhalle, die stets den Eindruck erweckt, dass sie gar nicht geöffnet sei, die aber dennoch immer wieder Menschen durch ihre Tür gehen lässt, befindet sich seit einigen Monaten eine Bar. Das wäre an sich nicht weiter bemerkenswert, wenn diese Bar nicht immer wieder für Momente der Erheiterung sorgen würde.

Es ist ja nicht wirklich warm, so im März.

Aber das scheint manche, die eher eine gewisse Hitze Wärme in ihrem Inneren zu tragen scheinen, nicht davon abzuhalten, das ganz besondere Angebot dieser Bar in Anspruch zu nehmen. Denn vor dieser Bar stehen wenig ergonomisch geformte Bänke, die dazu „einladen“ sollen, draußen Platz zu nehmen, dem munteren Verkehr auf der Limmerstraße und den erfreulich regelmäßigen Bussen und Bahnen zu folgen und sich ganz allgemein auf dieser öffentlichen Bühne zum Affen zu machen zu präsentieren. Das gilt auch im März. Wo es nicht wirklich warm ist. Das wissen natürlich auch die Betreiber der Bar, und deshalb stehen — wohl auf Anraten eines befreundeten Arztes oder Tierwärters — Decken für die sich so präsentierenden Menschen zur Verfügung. Diese Decken können zwar nicht das Peinliche überdecken, aber sie verhindern doch wenigstens die Blasenentzündung.

Und das ist doch toll, oder?

Der Löwe lauert

Die Website ist so weit aufgesetzt, und der Löwe lauert schon. Im Moment steht hier noch nicht viel, aber das wird sich in den nächsten Wochen ändern — denn es gibt eine Menge Menschen, die sich hier mitteilen wollen. Denn Linden ist mehr als das Ihme-Zentrum und ein paar Vermarktungen des alternativen Flairs, Linden ist eine Lebensart!

Der Löwe ist da. Miau. Jetzt muss das Kätzchen nur noch ein bisschen brüllen.