Ich kotze in die Zeitung

Die Zeitung von gestern taugt […] im besten Falle noch dafür, als Unterlage in einem Vogelkäfig benutzt zu werden, um den Kot der darin eingesperrten Vöglein vom Kasten fern zu halten. Im Regelfall wird sie allerdings zu genau dem Altpapier, das sie konzeptionell bereits bei ihrer Herstellung war.

Elias Schwerdtfeger

Und stetig herrscht der Kreisverkehr am Deisterplatze, die einen wollen rein und die anderen wollen raus. So geht es rund und rund, bis einem ganz schwindlig von alledem wird. Raus wollen wohl immer noch viele „Bewohner“ der größten Baustelle der Stadt Hannover, auf der inzwischen sogar wieder etwas Bautätigkeit zu bewundern ist. Wohl auch, weil einige Investoren da schon so viel reingebuttert haben und doch noch etwas rauskriegen wollen — zumindest ein bisschen mehr als einen Totalverlust. Und deshalb stecken sie halt noch etwas Geld hinein in das schier unersättliche Millionengrab aus Beton. Dass man die Substanz der Tiefgarage nicht allzu lange dem Risiko eines möglichen Hochwassers aussetzen will, ist der verständliche Teil daran. Vermutlich haben sich nach dem Frühjahr selbst die reinrassigen Geldanbeter aus den glanz- und raubvollen Banktempeln insgeheim beim Herrgott bedankt, dass es kein an der Substanz nagendes, typisches Frühjahrshochwasser gab und dass so die Sprengung der Betonburg noch einmal hinausgezögert werden konnte. Der etwas weniger verständliche Teil ist das werkelnde Gewusel in den Läden der zukünftigen Pleitiers an der Blumenauer Straße. Bei dem vielen Kreisverkehr an einem betonblühenden Park und dem ganzen Schwindel drum herum könnte man den Deisterplatz glatt in die Blumenauer Straße verlegen, ein monströser Turm steht dort ja schon…

Aber das ist es ja gar nicht. Also: Das ist nicht das, was so unerträglich juckt, dass der schattenhafte Beobachter am Deisterplatz so sehr von seinem Juckreiz gequält wird, dass er sich einfach mit ein paar hingekratzten Zeilen Text Erleichterung verschaffen muss. Nein, das heutige Juckpulver ist ein ganz anderes, es fand sich im Lindenspiegel für den Monat Juni 2009, der gerade ganz frisch in die arg- und wehrlosen Briefkästen Lindens gestopft wurde, um den Menschen in Linden den beginnenden Sommer zu vermiesen.

An sich ist der Lindenspiegel unter den vielen kostenlosen Blättern, die um die Aufmerksamkeit irgendwelcher Zielgruppen ringen, ja noch eines der erträglichen Produkte. Darin finden sich sogar interessante Hinweise, die sich sonst nirgends in der Presse finden; und zuweilen verschafft sich auch ein kecker kritischer Geist gegen den glatten Strom der umfassenden Kommerzialisierung Ausdruck. Und so freut man sich auch meistens über dieses Blatt. Ob es wohl an der unheilschwangeren Zahl 13 des dreizehnten Jahrganges liegt…

Ausgabe des Lindenspiegels für Juni 2009 mit der Schlagzeile des hier weidlich zerlegten Artikels...

…dass da jemand dermaßen tief in die gärende Grube unterm Donnerbalken gegriffen hat, um die Titelseite mit einem langen und im Inneren der Zeitung auf Seite 15 fortgesetzten Artikel unter dem Titel „Passantenbefragung der Leibniz Universität Hannover in Linden: Linden im Wandel? — Das Image eines städtischen Quartiers“ zu besudeln? Oder hat das etwas mit ganz anderen Zahlen zu tun, vielleicht eher mit gezahlten als mit gezählten? Oder gibt es noch andere, weniger offensichtliche Gründe, warum eine derartige Ansammlung markant duftenden, mittelmäßig durchgequirlten Bullshits auf arglose tote Bäume gedruckt wurde? Die Hintergründe der Entstehung dieses gefälligen „Journalismus“ für eine Erhebung, die Linden und den dort lebenden Menschen gewiss keinen Gefallen tun wird, die werden wir alle wohl nicht so schnell erfahren.

In keinem Fall kann der dort veröffentlichte Mist unwidersprochen bleiben, sonst kotze ich noch in diese Zeitung. Deshalb hier einige Worte zu diesem Dummfug, bevor mir die Gallenblase platzt.

Der verächtliche Unfug fängt bereits im Titel an. Linden ist also ein „städtisches Quartier“. Vielleicht hat sich schon mancher Lindener über diese doch sehr merkwürdige Formulierung gewundert, aber man ist es ja gewohnt, so etwas einfach hinzunehmen. Ich habe mir mal die recht kleine Mühe gemacht, ein Lexikon aufzuschlagen, und fand dort unter „Quartier“ die folgende Klärung des hier recht ungewöhnlich verwendeten Begriffes (die Hervorhebungen im Zitat sind von mir):

Quartier bezeichnet im Allgemeinen eine Unterkunft, speziell auch für militärische Verbände […] in Deutschland städtische Bereiche mit eigenem Namen, die jedoch keine amtlich geführten Stadtteile sind […]

Nun, da hier wohl kaum eine allgemeine Unterkunft oder gar eine Kaserne gemeint sein kann, muss es sich wohl um die Bezeichnung eines „städtischen Bereiches mit eigenem Namen“ handeln, der aber kein amtlich geführter Stadtteil ist. Oder anders gesagt: Schon im Titel wird dem Stadtteil Linden seine Existenz als eigenständiger Stadtteil sprachlich aberkannt, wird Linden also verneint. Als ob es nicht schlimm genug wäre, dass Linden von Hannover vereinnahmt wurde, als ob wir in Linden kein eigenes Gepräge mit sehr eigenem Charakter mehr hätten, als ob es niemals eine eigene Geschichte Lindens unabhängig von Hannover gegeben hätte. Schon dieser Titel nimmt Linden in gerissener, die Sprache sehr gezielt missbrauchender Weise seine Eigenständigkeit und lässt so einen deutlichen Blick darauf zu, welche Ergebnisse in der „Passantenbefragung“ wohl die gewünschten Ergebnisse sein werden — und verbreitet damit auch schon im Vorfeld einen Vorgeschmack des gewiss hoch suggestiven Charakters von Fragen, deren Beantwortung dann anschließend als „Wissenschaft“ vermakelt werden soll, vielleicht sogar zur Grundlage für politische Sach- und Lachentscheidungen werden soll. Dass sich ausgerechnet eine Zeitung mit den Namen „Lindenspiegel“ dazu herablässt, ein solches, gegen Linden gerichtetes, Treiben nicht nur ausgesprochen unkritisch zu berichten, sondern sogar noch zu feiern und im Verlaufe des Artikels sogar zur Unterstützung dieses Treibens durch die Menschen in Linden aufzurufen, lässt schon sehr tief blicken. Was dem Betrachter dann aber aus dieser Tiefe entgegenblickt, dass gehört zu den Dingen, die man lieber nicht mehr sehen will. Hätte ich diese Zeitung abonniert, so hätte ich dieses Abo heute gekündigt, und zwar mit einem gesalzenen Leserbrief.

Das Institut für Wirtschafts- und Kulturgeografie der Leibniz Universität Hannover führt vom Montag, 8. Juni bis Sonntag, 21. Juni eine Befragung von Bewohnern und Besuchern Lindens durch. […]

Wer bislang dem naiven Glauben anhing, dass es sich bei Geografie vor allem um die Erfassung der Lage von Flüssen und Bergen handelt, der wird hier eines Besseren belehrt. Da das Wort von der „Wirtschaftsgeografie“ nicht gerade zum alltäglichen Wortschatz gehört, habe ich noch einmal das Lexikon aufgeschlagen und die folgende Erläuterung dazu gefunden:

Die Wirtschaftsgeographie (auch: Wirtschaftsgeografie) ist der Zweig der Humangeographie, der die ökonomischen Strukturen, Prozesse und Funktionsweisen in räumlichen Netzwerken verschiedener Maßstabsebenen untersucht. Die Perspektive kann sich dabei auf Betriebe und Unternehmen, auf regional- / volkswirtschaftliche Aspekte oder vermittelnd auf eine „Mesoebene“ richten.

Das kann man auch noch kürzer fassen: Es geht hier um die Betrachtung der bestehenden (wenn auch im Zerfall befindlichen) sozialen und räumlichen Strukturen Lindens unter reinen Marktgesichtspunkten. Deshalb ist wohl auch so viel vom „Image“ die Rede, das ja wirtschaftlich vor allem als reklamewirksamer Einflussfaktor bei Kaufentscheidungen verstanden wird. Hier soll nicht nur die Existenz Lindens als Stadtteil ausgehöhlt werden, hier soll zum totalen Ausverkauf Lindens geblasen werden, unter dem wehenden Banner der „Wissenschaft“ versteht sich. Alle Ächtung!

[…] Die Passanten werden zu ihrem Bild vom Stadtteil und zur persönlichen Bedeutung Lindens als Wohnstandort befragt. […]

Für solche „Wisschenschaftler“ verkommt das wenig marktfähige Wort von der Heimat also zum „Wohnstandort“. Ein tolles Wort, nicht?

[…] Die Umfrage basiert auf einem eigens für diese studentische Untersuchung entworfenen Fragebogen. […]

Und der Fragebogen, mit dem diese Umfrage durchgeführt wird, der wird schon mit seinen Fragestellungen dafür Sorge tragen, dass die von den Auftraggebern der Studie gewünschten Antworten hervorkommen. Es würde wohl nicht nur mich brennend interessieren, wer diese Studie bezahlt hat. Da muss einiges an Geld drin stecken, auch sichtbar an der werbenden Unterstützung im „redaktionellen“ Teil einer lokalen Zeitung mit durchaus unverdächtigem Ruf, der jetzt übrigens stark angeknackst ist.

[…] Unter der Leitung Frau Dipl.-Geogr. B. Tutkunkardes wird diese Erhebung an zentralen Orten Lindens, wie etwa der Limmerstraße oder dem Lindener Marktplatz durchgeführt. […]

Weil die suggestiven Fragestellungen allein wohl nicht ausreichen, wird ferner durch die Auswahl geeigneter Orte für die Befragung dafür Sorge getragen, dass vornehmlich konsumdoofe Neulindener, die sich in ihrem scheinalternativen Gehabe leider immer noch keine Eigentumswohnung in der List leisten können, die von den Auftraggebern der Studie gewünschten Antworten geben.

[…] Sämtliche Angaben werden anonym und vertraulich behandelt. Es sollen ausschließlich die verschiedenen Wahrnehmungen und das sich daraus ableitende Gesamtbild Lindens erfasst werden. Das Image Lindens soll auf einen möglichen Wandel hin geprüft werden. […]

Es sollen also ausschließlich leicht durch suggestive Fragestellungen manipulierbare Antworten aus den Opfern dieser Befragung rausgeleiert werden, um diese dann als „Wissenschaft“ zu verpacken, damit hinterher aufgrund der so ermittelten Ergebnisse der wirtschaftlich gewünschte Wandel Lindens begründet und auf den politischen Weg gebracht werden kann. Irgendwelche „harten“ Daten aus der Lebenswirklichkeit der Menschen in Linden sind für dieses Anliegen völlig uninteressant.

Und das ganze verwürzen wir noch…

[…] Innenstadtnahe Quartiere erfahren in jüngsten Vergangenheit eine zunehmende Wertschätzung als Wohnstandort. Damit einhergehend finden zwangsläufig Veränderungen der baulichen, sozialen und kommerziellen Struktur statt, die insgesamt eine Aufwertung und einen sukzessiven Imagewandel der Altbauquartiere mit sich bringen. […]

…mit übermäßig dargebotenem und nichtssagendem Bullshit in einem sich objektiv gebenden Neusprech, der in Wirklichkeit alles Lebende verachtet. Natürlich nicht, ohne den Stadtteil noch einmal zu einem „Quartier“ zu degradieren, und nicht, ohne ihn zusätzlich als bloßen „Wohnstandort“ zu verunglimpfen. Das Wort „Standort“ kennen wir ja sonst vor allem aus einem eher dem wirtschaftlichen Erwägen zugewandten Sprachgebrauch. Es ist ein Wort, erfrischend frei von jeglicher tieferer Beziehung und jeglichem menschlichen Miteinander, es klingt wie der Ausspruch eines Luther, der jede bisherige Wurzel verloren hat, sich hinstellt und spricht: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen“ — und vor allem vermeidet es das doch allzu dumpfig verwurzelte, aber eben auch fühlsame Wort von der „Heimat“. Aber so kennen wir die Allesvermarkter, die sich für ihr wankelndes Wandeln „wissenschaftliche“ Gewänder ankleiden und dabei keineswegs irgendein Wissen schaffen wollen, sondern nur eine „argumentative“ Grundlage für eine höchst einseitige Propaganda. Hinterher interessiert es leider keinen mehr, wie die tollen Daten einmal zustande gekommen sind, die als „objektive“ Wahrheit hingestellt werden.

Das Ziel der beachtenswerten und verachtungswürdigen Bestrebung so genannter „Wissenschaftler“ in dieser Umfrage sollte somit hinreichend klar geworden sein — und ebenso, dass wir Lindener, die wir hier in Linden ein wirklich und klar gefühltes Zuhause haben, keineswegs eine Empfehlung aussprechen können, diesem weiteren Schritt auf dem Weg zum totalen Ausverkauf Lindens die so sehr gewünschte Unterstützung angedeihen zu lassen. Ganz im Gegenteil, den beflissenen Fragestellern sollte energisch widersprochen werden, die vorgestanzten Antworten sollten in Frage gestellt werden, ebenso die mutmaßlich einseitigen Fragestellungen, die nichts mit der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen in Linden zu tun haben werden. Oder ist es für viele Leser dieser Zeilen etwa eine drängende Frage, wie sie sich eine Eigentumswohnung in Linden beschaffen können?

[…] dass Angebote wie das neu entstandene Gilde-Carré […] Bewohner potenziell davon abhalten können, sich ihren Wunsch nach einem Eigenheim […] zu erfüllen.

Nein, die meisten Menschen in Linden haben ganz andere Probleme — und übrigens in der Regel keine Probleme mit Linden. Genau das ist für diese Volksverschaukeler ja das Problem. Und die meisten Menschen in Linden wollen gewiss nicht sehen, dass Linden zur zweiten List wird, geprägt von auf edel modernisierten Altbauten, die sich nur noch ein gutverdienender Anteil der Bevölkerung als Eigentum leisten kann, ein Haufen von Lehrern und Beamten. In dem Linden, das unter anderen mit Unterstützung dieser gar nicht wirklich fragenden „Umfrage“ geschaffen werden soll, werden wir jedenfalls keinen Platz mehr finden.

Ich empfehle jedem, den ganzen Artikel noch einmal in aller Ruhe im Lindenspiegel nachzulesen und sich aus dem Text des Artikels ein eigenes Bild von dieser als Wissenschaft getarnten Volksverschaukelung zu machen. Das wird zwar durch viel Blah und eingesprenkelten Bullshit erschwert, aber es ist bei sorgfältigem Lesen immer noch möglich. Aus einem solchen eigenen Bild entsteht vielleicht auch eine Idee, in welcher Weise man den demnächst auflaufenden Interviewern entgegentreten kann und ihnen unmissverständlich und bitte schriftlich erfasst klar machen kann, dass Linden kein geeigneter Ort für das von diesem lichtscheuen Gesindel angestrebte Geschäftchen ist, jedenfalls nicht, so lange noch Lindener darin leben. Es ist hier wirklich schon genug zerstört worden.

[…] Die Mithilfe der Bürger ist also von großer Bedeutung, da das Forschungsprojekt ohne entsprechende Unterstützung nicht realisierbar wäre! […]

Also, „Bürger“, sagt den Interviewern deutlich und unmissverständlich, was ihr davon haltet! Und lasst euch nicht von vorgefertigten Fragen einfangen, die nur dazu da sind, die wirtschaftlich gewünschten Antworten zu erzwingen! Nehmt ihnen diese Fragen auseinander! Und fragt zurück, warum zum Beispiel nicht nach der Bedeutung erschwinglicher Mieten für das Leben in Linden gefragt wird! Es gibt kein zweites Linden, also gebt es nicht ohne wirksamen Widerstand den Krämern und Allvermarktern!

Weitere Zitate aus dem Artikel will den Lesern des Lindener Löwen ersparen. Nur eine kleine — wenn man so will, „wissenschaftliche“ — Wortzählung ausgewählter Schlüsselwörter soll meinen recht galligen Text zur Mitwirkung des „Lindenspiegels“ am Ausverkauf Lindens ergänzen, damit auch daraus klar wird, was die wirkliche Zielrichtung der angestrebten Entheimatung der Lindener ist.

Linden: 11
Quartier: 7
Wohnstandort: 5
Image: 7
Zuhause: 1

Und bevor wegen des einmaligen Aufscheinens des Wortes „Zuhause“ ein zu positiver Eindruck vom Charakter des Textes entsteht: Dieses Wort taucht nur im Zusammenhang mit der im Texte wörtlich benannten Marketingkampagne „Hannover heißt Zuhause“ auf, und keineswegs im Zusammenhang irgendwelcher menschlicher Wünsche und Bedürfnisse. Was aber das Wort „Marketing“ in der Praxis bedeutet, muss ich wohl nicht mehr erklären, oder? Es handelt sich um das gezielte Schwindeln, um mit diesem Schwindel etwas verkaufen zu können.

Es dreht sich eben alles im Kreise am Deisterplatz, die einen wollen rein und die andern wollen raus. Manchmal wird einem davon schwindlig, und manchmal wird ganz viel geschwindelt. Aber ob man hier wirklich jeden reinlassen muss? Es stehen doch in Linden schon genug Mahnmale von Geschäftemachen herum, die hier mal rein wollten…

Euer gallgrün gewordener Kurt

7 Kommentare zu Ich kotze in die Zeitung

  1. Kurz verlinkt (46) « Wut! | 4. Juni 2009, 15:46 Uhr

    […] Kurz verlinkt (46) Fast jeder kennt diese als Zeitung getarnten, kostenlosen Blätter, die meist wöchentlich in die Briefkästen gesteckt werden und ein bisschen Journalismus nachahmen, um Reklame unter die Menschen zu bringen. Hinter dieser besonderen Werbeform steht die Einsicht der Werber, dass nur eine weniger intelligenzbegabte Minderheit der Menschen bereit ist, Werbung zu lesen, dass aber fast jeder bereit ist, eine Zeitung zu lesen, wenn man sie ihm gibt, Welche Interessen wirklich hinter diesen Blättern stehen, wird nur sehr selten so richtig deutlich. Manchmal — vor allem bei lokalen Themen mit direktem Bezug zum Leben der Menschen — wird es aber so überdeutlich, dass einem angesichts des geldgeilen und lebensverachtenden Zynismus,…. […]

  2. » Der Ausverkauf Lindens wird vom »Lindenspiegel« vorbereitet Nachtwächter-Blah | 4. Juni 2009, 21:06 Uhr

    […] »Lindenspiegel« bislang für ein ganz brauchbares Blättchen gehalten haben: Ich kotze in die Zeitung. […]

  3. Elias Schwerdtfegr (beta) | 4. Juni 2009, 22:11 Uhr

    Liest jemand aus hannover-linden mit?…

    Liest hier jemand aus hannover-linden mit? Oder aus der umgebung von hannover-linden?
    Ja?
    Oder vielleicht auch nur jemand, der linden echt gern hat? Der sich wegen der ganz besonderen, einmaligen atmosfäre dort aufhält? Der das bunte, kwicklebendige …

  4. Nicolas | 11. Juni 2009, 18:01 Uhr

    Auf diesen Sumpf martialischer Rhetorik vom heraufbeschworenen „neoliberalen Schreckgespenst“, dessen Weltverschwörung die brave, arbeitende Bevölkerung und damit einhergehend die Identität eines ganzen Stadtteil zu verschlingen versucht, möchte ich gar nicht weiter eingehen. Wo keine Argumente angeführt werden, lassen sich auch keine entkräften. Wie bequem.

    Wer sich an dem Begriff der Wirtschaftsgeographie (Uuuuh, Wirtschaft! Böse!) als angeblichem Agenten korrupter Manager und marode vor sich hinspekulierender Banken aufhängt (und dabei noch den gleichberechtigt angeführten Bereich der Kulturgeographie lässig unterschlägt, unter dessen Schirmherrschaft das Projekt eigentlich läuft), dem sei diese Weltsicht gegönnt und der mag sich getrost weiterhin seine Ansichten aus schwarz-weiß gefärbten Bauklötzchen zusammenstecken.

    Während ich munter vor mich hingrinsend die von den nach Linden drängenden multinationalen Unternehmen an mich überwiesenen Millionen zähle und dem Bafög-Amt ein für alle Mal ein herzliches Lebewohl entbiete, möchte ich aber zumindest einige Dinge loswerden, die mir seit ich diesen Artikel geschickt bekommen habe wirklich auf der Seele brennen und ein Ventil suchen.

    Mag der Begriff „städtisches Quartier“ vielleicht noch in weitem Maße dem von Linden als „ausgewachsenes Stadtviertel“ entsprechen, ist der neudeutsch (leider?) etablierte Begriff des „Image“ als subjektiv entstandene Einstellung zu einem Sachverhalt sicherlich nicht als reiner Auswuchs des betriebswirtschaftlichen Marketings zu verstehen. Und mag dem patriotisch motivierten Alt-Lindener auch der Begriff der „Heimat“ eher zusagen als der des emotionslosen Wohnstandortes, so muss doch Erwähnung finden, dass diese Begriffe sachlogisch einfach nicht synonym sind und in seriöser Wissenschaft auch nicht so verwendet werden können. Kurz gesagt: Nicht jeder, der in Linden wohnt, würde Linden auch seine Heimat nennen. Und so schön Linden auch sein mag, ist es doch vielleicht etwas optimistisch, anzunehmen, dass jeder, der in Linden sein Dach über dem Kopf besitzt, hier auch seine Heimat gefunden hat. Diesem Selbstbild der Lindener nachzuspüren ist übrigens erklärtes Ziel der Untersuchung.

    Die Rückschlüsse, die hier aus teilweise borniert (und wie es scheint sogar böswillig) überinterpretierten und teilweise einfach falsch verstandenen Begrifflichkeiten kolportiert werden, sind im besten Falle zum Lachen, im schlimmsten Falle haarsträubend.

    Ich denke, dass Linden von unserem studentischen Projekt profitieren kann und bin sicher, dass diese Untersuchung für alle Beteiligten objektiv und fair vonstatten geht. Immerhin sind einige der Involvierten selbst bekennende Lindener oder halten sich zumindest gerne in Faust und co auf. Als rein studentisches Projekt fließen uns auch sicherlich keine Milliardenbeträge zu. (nichtmal ein müder Hunderter vom Institut, was das betrifft…) Wütender und durch nichts als wild um sich schlagende Polemik untermauerter Bullshit, meine Kommilitonen, Lehrkörper und ich würden damit „alles Lebende verachtend“ gleich neben Dschingis Khan eingereiht den Untergang des Abendlandes (oder wenigstens den Lindens) einläuten, tangieren jedoch schon wirklich die Grenze zur Frechheit.

    Hier kann man wirklich nur noch kopfschüttelnd die Worte aufgreifen:

    Alle Ächtung!

    …und zwei Euro in die Wortspielkasse.

    Um hier kein falsches Bild entstehen zu lassen möchte ich auch erwähnen, dass die Umfrage nach meinen Erfahrungen bisher ausnehmend positiv und neugierig aufgenommen wird, wofür ich mich im bereits jetzt herzlich bedanke.

    Als Schlusswort möchte ich den galligen Knut gerne dazu einladen, einen Fragebogen anzuschauen und vielleicht sogar auszufüllen, um zu einem weniger vorurteilsbeladenem Urteil zu kommen oder einfach in Ruhe ein wenig mehr über die Hintergründe des Projekts zu erfahren. Mich persönlich wird man am kommenden Montag Nachmittag am Lindener Marktplatz antreffen.

    Mit besten Grüßen an alle Lindener da draußen (und alle, die es werden wollen),
    Nicolas

  5. Kurt vom Deisterplatz | 12. Juni 2009, 03:10 Uhr

    Aber ein fröhlicher Gruß zurück, Nicolas!

    Ist schon seltsam, wenn man Rabulistik und Rhetorik richtigstellt (lies den Lindenspiegel!), denn wird einem dafür „martialische Rhetorik“ vorgehalten. Ich hoffe, dass das jeder Leser hier richtig zu deuten verstehen wird. Auch das hübsche Wörtlein von der „Weltverschwörung“ ist keineswegs dem kommentierten Artikel entnommen, der auch gar nicht so weltweit denkt, trotz Carlyle in unserer tristen Betonburg zwischen Ihme und Blumenauer Straße. Wo hier die „Rhetorik“ liegt, und welche Absichten sie verfolgt, das wird durch bloßes Hinschauen offenbar. ;-)

    Der Begriff „Wirtschaftgeographie“ wurde von mir ebenfalls nicht im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Verbrecherwirtschaft gebracht, die jeder Sehende und Hörende jeden Tag miterleiden darf, wenn er sieht, wie gewisses lichtscheues Gesindel von Journaille und Glotze hofiert wird. Meine Ansichten sind keineswegs so schwarz-weiß. Aber ich bin gebürtig Lindens genug, um zu wissen, was gewisse Beglückungsideen in der Vergangenheit für die davon betroffenen Menschen bedeutet haben (übrigens nicht nur in Linden), und ich kann daraus hochrechnen, wie so etwas in Zukunft aussehen wird. Dafür bedarf es nur der minimalen mentalen Befähigung, Analogien zu erkennen. Das betrifft weniger irgendwelche multinationalen Unternehmen (obwohl, da war doch was… Carlyle…), sondern mehr die mögliche gezielte Wertschöpfung durch Edelrenovierung der jetzt noch erschwinglichen Mietwohnungen und ihr anschließender Verkauf als Eigentumswohnung (in einem „städtisches Quartier“ mit hübschem „alternativem Image“) an begütertere Zeitgenossen, als es die meisten derzeitigen Lindener sind. Schon dieses Gilde-Carré und das sich darin teilweise wie Herrenmensch aufführende Pack Neulindener Gesindel ist übel. (Teilweise, wohl gemerkt!)

    Der Begriff „städisches Quartier“ entspricht übrigens nicht Linden und der darin üblichen Sprache und Betrachtungsweise, sondern vielmehr der Denkungsweise jener Zeitgenossen, deren Streben recht unabhängig von den davon betroffenen „Quartieren“ unverhohlen auf kalte Verwirtschaftung aus ist. Wenn ich mich mit Lindenern unterhalte, quellen derart dümmliche Bullshit-Worte aus den Wirtschaftswisschenschaften niemals aus ihrem Munde. Warum wohl? Synonyme Wörter sind keineswegs Wörter von gleicher Farbe, und die Sprache des heutigen Allverkaufswesens gefällt sich vor allem im verlogenen Anschein der Sachlichkeit. Wenn es wirklich das Ziel der Untersuchung ist, dem Selbstbild der Lindener nachzuspüren, sollte vielleicht im Vorfelde erstmal die Sprache der Lindener gesprochen werden und nicht dieser aufgeblähte Blah. Den kennen wir von Betrügern aller Art seit der versuchten, so genannten „Sanierung“ von Linden-Nord, deren Mahnmale heute noch zum Kotzen reizen. Alles weitere zu diesem Thema kannst du von Menschen erfahren, die Linden ihre Heimat nennen — aber bestimmt nicht aus dem Fragebogen irgendwelcher „Wisschenschaftler“, zu deren Schergen du dich gemacht hast.

    Sollte die wirkliche Intention der „Umfrage“ wirklich eine andere sein, so wende dich mit deiner Kritik bitte an den Lindenspiegel, denn der hat dann diesen in seiner hanebüchenen Unverständlichkeit recht eindeutig zu verstehenden Sprachmist verzapft, den ich hier ein bisschen (und keineswegs ausreichend) gefleddert habe. Weitere Quellen zu dem Schiet gibt es nicht, und da der gewählte Soziolekt des Artikels keineswegs der im Lindenspiegel üblichen Sprache entspricht, bin ich mir beinahe sicher, dass er deiner und deinesgleichen Sprache entspricht. Kein Wunder, dass du in diesem gebildeten Hochmut so gut Lachen über die Opfer deines Tuns hast.

    Sei aber lieber froh, wenn du mir am kommenden Montag nicht am Marktplatz begegnest. (Nein, ich werde dich und deinesgleichen nicht suchen, denn so etwas füge ich meinem Dasein nicht freiwillig hinzu.) Was habe ich dir nur getan, damit du mithilfst, meine Heimat weiter zu zerstören? Und was haben die anderen betroffenen Menschen dir getan? Deine Ächtung ist ja schon gut in flotter Widerspiegelung meines Textes ausgedrückt, aber die merkt man dir auch so ganz gut an.

    Jene, die auf dem Hintergrund der wahrscheinlich vorgezeichneten Ergebnisse dieser Umfrage nach Linden kommen wollen, sind zumindest mir nicht willkommen. Und ich kenne mehr als nur eine Handvoll Leute, denen das ganz genau so geht, auch ohne dass sie diesen Artikel gelesen hätten. Einen Stadtteil List (oder nennst du das auch ein „Quartier“) gibt es schon in Hannover, so eine Vertreibung brauchen wir nicht nochmal in Linden.

    (Wenn dir das „Du“ nicht gefällt, sorry. Ich meine es nicht abwertend. Was dich abwertet, ist das, was du tust. Dem habe ich nichts mehr hinzuzutun.)

    Das grimmige Kuddelchen beim mauzenden Löwen. ;-)
    (Das weiß, wofür es sich zu kämpfen lohnt.)

    PS: Weißt du übrigens, was der Unterschied zwischen dem zehntausendfach in die Briefkästen verklappten Lindenspiegel und dieser völlig unbedeutenden Website hier ist? Er ist, dass man hier seinen widersprechenen Senf zum Geschriebenen geben kann. Dafür wird hier aber unser Geschreibsel auch niemanden aufgedrängt und ist garantiert nicht käuflich. Wer lesen kann, der lese!

  6. Der Lindener Löwe » Blog Archiv » Vom Rein, Raus und vom Schmuck | 2. Juli 2009, 04:09 Uhr

    […] — und scheinbar doch nicht zum Zuge kommen. So ein Zeitgenosse, der mich über meinen “Wohnstandort” im “städtischen Quartier” Linden und seinem Image ausbefragen wollte, ist mir jedenfalls nicht übern Weg gelaufen. Dafür habe ich jede […]

  7. Der Lindener Löwe » Blog Archiv » Lindenspiegel im Wandel | 4. Februar 2010, 21:56 Uhr

    […] für Vorfeldmaßnahmen zum weiteren menschlichen Rückbau Lindens, so dass ich fast in die Zeitung gekotzt hätte. Überschrieben war der als studentische Umfrage verpackte Scheiß mit dem Titel […]

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