Hängt sie höher!
Und immer noch geht am Deisterplatz alles im Kreise, die einen wollen rein und die andern wollen raus.
Rein will zum Beispiel die SPD. Nein, nicht nach Linden, da hat die Buhlmann ja schon längst ihr Büro, sondern — viel schlimmer — in den Bundestag. Und weil gerade so schön Wahlkampf ist, wo die antretenden Parteien mal wieder so richtig schön den Stimmviechern zeigen müssen, dass sie politische Kommunikation für eine Einbahnstraße halten, hängen natürlich überall Wahlplakate in Linden aus. Vor allem von der SPD und von der Linkspartei, aber auch über die MLPD ist mein Auge gestolpert. Man scheint in den Parteien zu glauben, dass die Parteien wegen der Plakate gewählt würden…
Ich würde ja gern etwas Inhaltliches zu den SPD-Plakaten sagen, aber dafür müssten sie so etwas wie Inhalte haben. Wenn dieses Testbild der SPD, dieser charismatische Buchhaltertyp Steinmeier, unter einem Foto von ihm in seinem intensiv grauen Sacko irgendwas mit “Anpacken” drucken lässt, wirkt das nicht nach Inhalt, noch weniger glaubwürdig, sondern es wirkt nur nach einem schlechtem Witz.
Der wird übrigens auch nicht lustiger davon, dass er im Abstand von zwei Laternenpfählen wiederholt wird.
Aber etwas anderes ist lustig an diesen Plakaten.
Ist es euch auch aufgefallen, wenn ihr die Limmerstraße lang gegangen seid? Die Plakate dieser Partei, die alles Soziale und Demokratische so weggelassen hat, dass eben nur noch die Partei übrig geblieben ist, die hängen in diesem Sommer hoch, dass man nicht mehr rankommt. Ich glaube, das ist ein Symbol für “Bürgernähe”.
Früher hingen jedenfalls nur die Plakate der NPD so hoch…
Nee, heute will ich mal raus hier. Wenn sich nur nicht immer alles im Kreise drehen würde…
Weil du so nett grüßt, Stephan
Mit überschwänglicher, niemals wieder erlöschender Freude habe ich das Grußwort neben dem Portrait unseres hannöverschen Oberbürgermeisters Stephan Weil im offiziellen Programmheft des Fährmannsfestes 2009 gelesen.
Diese großen Worte, der optimistische Blick in das kommende Ereignis, die unverhohlene Begrüßung des gewaltig gewordenen “Woodstock an der Ihme” erhebt mein Herz in heiterste Höhen. Allerdings drängt mich ein schelmig Juckreiz, den Worten mit Anmerkungen die fehlende Würze zu geben, um sie von ihrer Fadheit zu befreien…
Mitten im Herzen Hannover-Lindens, [...]
Ich vermute, der Autor dieser Ortbeschreibung trägt sein Herz außerhalb des Körpers. Bleibt nur zu hoffen, dass er im Körper nicht eine Addiermaschine an Stelle eines Herzens trägt.
[...] genau dort, wo sich Ihme und Leine küssen, [...]
Auch scheinen die sexuellen Phantasien ein wenig ungezügelt sogar auf die Geografie überzugreifen.
[...] auf den Wiesen und Auen [...]
…ganz nahe beim Nationalpark innerstädtische Leineaue…
[...] an der Justus-Garten-Brücke, [...]
…die nach einer nicht mehr existierenden Gastwirtschaft benannt ist und damit trefflich zum verdunsteten Geist der alten Fährmannsfeste passt.
[...] wo früher ein Fährmann zwischen Hannover und Linden übersetzte, [...]
…und zusah, dass er schnell nach Linden zurückkommt.
[...] treffen wir [...]
Ihr vielleicht.
[...] uns am ersten August-Wochenende [...]
…leider nicht zum Abriss Hannovers bei den “Chaostagen”, sondern…
[...] beim Fährmannsfest.
Immerhin, dort gibt es auch etwas auf die Ohren, selbst für jene, die nichts zwischen den Ohren haben.
Vom Ska-Punk bis zum Metal, [...]
Von einer Spielart des bastardisierten, vergnüglich konsumierbar gemachten Punks zu nachgemachtem Metal kann der erfahrene Besucher des teuren Bierbecher-Guantanamo bemerken, dass sich der alte Geist völlig verflüchtigt hat.
[...] vom Singer / Songwriter [...]
…den man deutsch übrigens “Liedermacher” nennt…
bis zum Rockabilly, vom Folk-Rock bis zur Klassik [...]
…gibt es langatmige Aufzählungen, die eine nicht vorhandene Vielfalt in dieser Einfalt vortäuschen sollen.
[...] — das “kleine Woodstock an der Leine” [...]
…heißt immer noch Hannover.
[...] bietet auch in diesem Sommer [...]
…der wie üblich auch im August stattfindet.
[...] wieder ein breites Spektrum [...]
…wieder ein Spektrum, das viele Menschen in Linden nur genießen können, wenn sie ziemlich breit sind.
[...] musikalischen Hörgenusses.
Immerhin, man muss die Musik nicht riechen. Vieles erinnerte vielleicht auch überdeutlich an den jedem Menschen allzu vertrauten Duft frisch abgeseilter Fäzen.
Besonders freuen wir [...]
also: ihr.
[...] uns auf die Blues-Rock-Legende TEN YEARS AFTER, [...]
euch auf eine derart legendäre Band, dass ihr Ruf von vielen kaum vernommen wurde. Aber immerhin wird es ein bisschen sehr altmodische Musik geben, die sich gut in den Geist der Siebziger Jahre fügt, der sich in Gestalt des Ihmezentrums in Sichtnähe materialisiert hat.
[...] weil im August 2009 das original Woodstock-Festival 40 Jahre zurückliegt [...]
…und es nächstes Jahr gar schon 41 Jahre zurückgelegen haben wird.
[...] und eben Ten Years After dort dabei waren.
Übrigens: Joe Cocker, Santana, Grateful Dead und The Who waren unter anderem auch da. Janis Joplin und Jimi Hendrix müssen also nicht extra zum Leben erweckt werden — was mangels Jesusfähigkeiten nicht einmal Stephan Weil möglich ist — um Hannover musikalisch so richtig “vorwärts nach weit” (Kurt Schwitters) streben zu lassen.
Aber damit nicht genug: [...]
Als wenn man nicht schon genug hätte…
[...] Vom Kinderschminken bis zur Kletterwand, vom Glücksrad bis zum Infostand, ob ihr einfach nur auf der Wiese liegen mögt oder zum Beispiel auf der Kulturbühne den zweiten Poetry Slam verfolgt [...]
…oder gern eine weitere, ermüdende Aufzählung wie diese lest.
[...] — beim Fährmannsfest gibt es jede Menge Anregungen und Unterhaltung für Groß und Klein.
Und für das große und kleine Geschäft.
Für unser Team, welches für das Fest und auf dem Fest arbeitet, [...]
[...] und natürlich auch manches für Geld, denn das ist das Fest für sich und an sich.
ist das Fährmannsfest immer ein Happening.
Stimmt. Es ist ein — Achtung, Deutsch! — Ereignis.
Mehr als 300 Personen helfen beim Auf- und Abbau, an den Toren und auf den Bühnen, beim Zapfen und an den Essens-Ständen, beim Schminken und im Zirkus, an der Kasse und am Kaffeestand.
Und freuen sich über diese Erwähnung als Pünktchen in einer weiteren, langatmigen Aufzählung.
Viele kennen sich seit Jahren, [...]
…und einige sind inzwischen sogar schon wieder geschieden.
[...] für manche ist es ein einmaliges Ereignis im Jahr, [...]
…weil auch sie den gregorianischen Kalender verwenden.
[...] für andere ist das, was sie zum Fest beitragen, Beruf oder Hobby.
Wobei “Hobbyisten” die billigeren sind.
Happening kommt von happy [...]
Falsch, es kommt vom Verb “to happen“. Wenn ihr schon kein Deutsch mehr sprechen wollt, denn sprecht doch bitte kein BSE. (“bad simple english”)
[...] und die Freude und das Sichfreuen auf das Fest [...]
…oder auf das Happening oder auf das Happyning oder auf die gesalzenen fünf Euro für den Eintritt in einen abgesperrten öffentlichen Weg und Bereich, der mich ein Wochenende lang zu Umwegen zwingen wird, weil ich mich nicht kostenpflichtig von kurzhaarigen Schlägertypen befummeln lassen will.
machen den spirituellen Grundton aus, [...]
…der seine Unterstützung darin findet, dass man auch am extra verkaufsoffen gemachten Sonntag Tinnef kaufen kann. Und die unterbezahlten Elendsangestellten in den Läden können sich so etwas wie Spiritualität eh nicht leisten.
[...] der dem Fest seine besondere Atmosphäre verleiht.
Schön zu wissen, dass die Atmosphäre der alten Fährmannsfeste derart vergiftet zum Himmel stinkt, dass ich meinen Arsch bestimmt nicht in Sperrzone zwischen Hannover und Linden bewegen werde.
Wir sehen uns!
Euer Fährmannsfest-Team
Ihr seht euch vielleicht, mich nicht.
Vom Rein, Raus und vom Schmuck
Da steht man hier am Deisterplatz, der Sommer ist angenehm schwül, das Bier, das will fließen immerfort die trockene Kehle hinab und alles fährt nur immerfort im Kreis — die einen wollen eben rein, und die andern wollen raus. Dass dem ollen Turm noch nicht schwindlig geworden ist…
Ist euch eigentlich aufgefallen, wie still es um das Ihmepark Lindenzentrum (oder so ähnlich) geworden ist? Nichts mehr hört man von diesem angesoffenen Plan einiger durchgeknallter Kaufleute, einen Haufen rottigen Stahlbetons als einen “Park” zu verkaufen und damit die Leute für dumm verkaufen zu wollen. Bei der Stadt Hannover hat man sich ja für dumm genug verkaufen lassen, um diesen gefährlichen Dummfug in jeder nur erdenklichen Weise zu fördern, und die hannöversche Presse hat fast so getan, als wisse sie gar nichts von den Robusten Wirklichkeiten, die da zwischen den trüben Fluten der Ihme und einer Blumenauer Straße angehäuft wurden, die eben so “hübsch” ist, wie eine Durchgangsstraße ohne besonderes Leben nun mal “hübsch” ist. Alles vorbei. Carlyle wollte eine Menge Geld mit dem Irrsinn reinkriegen und ist jetzt raus, die Bewohner des Ihmezentrums sind immer noch drin in ihrem Mahnmal des Brutalismus und ein wenig andächtiges, dafür umso mehr der Verdrängung dienendes Schweigen hat sich breit gemacht. Neulich haben sich da in Hannover sogar so ein paar total spezielle Extra-Spezialexperten hingesetzt, um darüber zu reden, ob das “Konzept Linden-Park” in der jetzigen Lage überhaupt noch angemessen ist. Ach! Hätten sie sich diesen Kopf nur vorher gemacht, die Großkopferten! Was wäre uns allen erspart geblieben.
Sehr schön übrigens die Financial Times Deutschland:
Ein hohes Risiko ist dagegen die Landesbank Berlin (LBB), inzwischen allein in der Hand der Sparkassen, im Ihme-Zentrum eingegangen: Zeitungen nennen die Wohn- und Shoppinganlage unweit der City von Hannover mittlerweile den “größten Schrotthaufen Niedersachsens”. Seit Februar ruhen hier die Umbauarbeiten. Bei der Errichtung Anfang der 70er hatte der fast einen Kilometer lange Bau das größte Fundament Europas, rund 2000 Menschen wohnen hier. Nun haben sich Töchter des US-Finanzinvestors Carlyle beim Umbau einer riesigen Einkaufspassage im Ihme-Zentrum verhoben. 200 Mio. Euro sollten investiert werden. Jetzt regiert hier der Insolvenzverwalter. Hauptgläubigerin des Minus-Projekts: die LBB.
Und da sagen diese Spinnköppe immer, ich sei negativ!
Die Frage, wer die Rechnung für den hellen Wahn bezahlt, wird sich in den nächsten Monaten von allein beantworten. Und jeder, der lieber das dumme Geld des Staates und der Stadt in wirklich nachhaltige und zukunftsfördernde Infrastruktur gesteckt gesehen hätte, also zum Beispiel in öffentliche Leihbüchereien, der kann nur noch so lange seinen Kopf gegen die nächste Wand schlagen, bis der bohrende Schmerz im Hirne nachlässt.
Nein, da muss man als schnodderiger Deist des Geisterplatzes den Blick, der im grellen Sommer trüb zu werden droht, doch schnell an einem anderen Orte nach dürrem Troste suchen lassen.
Kennt ihr eigentlich den Schmuckplatz? Klar, wer am Kötnerholzweg lebt oder öfter mal die Ahlemer Straße heruntergeht, der kennt den Schmuckplatz. Viele Orte in Linden haben recht unpassende Namen, es gibt zum Beipspiel eine Stärkestraße, in der viele sozial Schwache leben, eine Pavillionstraße, unter deren Mietskasernen man alles mögliche findet, aber keine freistehenden Gebäude oder auch eine Grotestraat, de is sowat von lütt. Aber wenn ich einen Kandidaten für die unpassendste offizielle Bezeichnung in Linden benennen müsste, denn nähme ich den Schmuckplatz, denn der…

…ist alles andere als ein Schmuck.
Und zwar schon seit Jahren nicht mehr.
Früher einmal, als ich noch ein kleiner Kuddel war und die Welt verheißungsvoll und der Himmel blau erschien, da war das ein Spielplatz. Genau richtig für alle Kinder, die von ihren Eltern gegen karzinogene Abgasbestandteile abgehärtet werden sollten. Es war kein stark frequentierter Spielplatz, und deshalb ist es vielen wohl kaum aufgefallen, dass da auf einmal ein Zaun drumherum war. Wem es aber auffiel, der ging einmal hin, zu sehen, warum man denn jetzt diesen hübschen Platz abgesperrt hatte. Und wer Augen hatte, um zu sehen, der sah am Zaun ein Schild. Dieses trug die Aufschrift “Dieser Spielplatz ist wegen Schadstoffbelastung vorübergehend gesperrt” — in der Tat, diese Sperrung war “vorübergehend”, denn auch die vielen Jahre der Sperrung gingen einmal vorbei. Mancher fragte sich im Vorübergehen, ob die Schadstoffe auch ja auf den Zaun achten würden und nicht etwa auf die Idee kommen, auch ein bisschen in die Umgebung zu diffundieren.
Ja, und irgendwann wurde der Schmuckplatz eben “saniert” und umgebaut. Er sieht jetzt so aus wie auf dem Foto und könnte ja durchaus ein hübsches Schmuckstück in Linden-Nord sein, wenn er nur hübsch wäre.
Nee, die einen wollen rein, die andern wollen raus und ich bleib einfach drinnen, bis man mich hier rausträgt. Und ich freue mich über das bunte Treiben derer, die hier unter dem üblichen Lug der lokalen Journaille ihre Geschäftchen treiben wollen — und scheinbar doch nicht zum Zuge kommen. So ein Zeitgenosse, der mich über meinen “Wohnstandort” im “städtischen Quartier” Linden und seinem “Image” ausbefragen wollte, ist mir jedenfalls nicht übern Weg gelaufen. Dafür habe ich jede Menge heiterer, handgeschriebener und fotokopierter Zettelchen überall kleben gesehen, die vor diesen neuerlichen Anlauf zum Ausverkauf Lindens gewarnt haben. Die Zettelchen wurden zwar immer wieder abgerissen, sie wurden aber auch immer wieder neu geklebt — und im Gegensatz zur herrgottsdummen Bullshit-Sprache des offenbar gekauften Artikels im Lindenspiegel, mit der den Menschen in Linden dieser vergiftete Keks schmackhaft gemacht werden sollte, waren diese Zettelchen in einem allgemein verständlichen Deutsch beschriftet. Ob da den Heimatverkaufsgeologen wohl so viel Widerstand entgegen gekommen ist, dass sie sich lieber eine Zeit mit etwas geringerer allgemeiner Aufmerksamkeit aussuchen wollten?
Es dreht sich eben alles im Kreise. Vor allem dort, wo der Schwindel betrieben wird.
Gruß auch an Nicolas!
Die kürzeste Kunstausstellung der Welt
Geschafft! Die Künstervereinigung Schuppen 68 hat am vergangenen Samstag, den 6. Juni 2009 auf dem frisch asphaltierten und wenig einladend gestalteten Küchengartenplatz vor dem Ihmezentrum einen Rekordversuch unternommen (der Lindener Löwe berichtete). Ob dieser Versuch wirklich Eingang in die nächste Ausgabe des Guiness Book of Records findet, wissen wir noch nicht. Aber wir wissen natürlich, dass der Rekordversuch stattgefunden hat, denn wir waren dabei. Für jene, die es nicht geschafft haben, ihren Regenschirm zu finden, hier ein paar Fotos, die leider nur einen sehr unvollkommen Eindruck des Geschehen vermitteln können.
Trotz des wenig auf die Straße treibenden Wetters stieß der Rekordversuch “Kürzeste Kunstausstellung der Welt” auf ein beachtliches Interesse bei den Lindenern und bei Passanten, die sich über das seltsame Treiben verwunderten — jedenfalls wurden die Exponate interessierter betrachtet als die Wahlplakate.
Ganz wichtig: Die Sponsoren der kürzesten Kunstausstellung der Welt an der langanhaltendsten architektonischen Katastrophe in Linden; gedankt sei ihnen ihre Unterstützung! Die Veranstalter wurden auch nicht müde, die Wichtigkeit der Sponsoren zu betonen. Deshalb ist dies auch mein größtes Bild hier.
Zu den ausgestellten Fotos gehört ein ordentlicher Schluck aus der Pulle. Was auf unserem Bild nicht gut lesbar ist: Über dem Laden in der Mitte oben steht die einladende Firmierung “Robuste Wirklichkeiten” — da nimmt man, wenn man unsere Betonburg vor Augen hat, doch gleich noch einen Schluck. Eigentlich möchte man lieber etwas viel “robusteres” trinken. Die Erbensuppe sorgte auch für eine gute Grundlage, fände sich nur jemand, der sie kochte.
Ein Dank an den Schuppen 68 und sein unentwegtes Bemühen, angesichts des zerfallenden Baues und des realsatirischen Polittheaters um einen Lindenpark, der weder Linden noch ein Park ist, etwas kulturelle Sonne in das Grau zu tragen.
Alle Fotos sind von Dia
Ich kotze in die Zeitung
Die Zeitung von gestern taugt [...] im besten Falle noch dafür, als Unterlage in einem Vogelkäfig benutzt zu werden, um den Kot der darin eingesperrten Vöglein vom Kasten fern zu halten. Im Regelfall wird sie allerdings zu genau dem Altpapier, das sie konzeptionell bereits bei ihrer Herstellung war.
Und stetig herrscht der Kreisverkehr am Deisterplatze, die einen wollen rein und die anderen wollen raus. So geht es rund und rund, bis einem ganz schwindlig von alledem wird. Raus wollen wohl immer noch viele “Bewohner” der größten Baustelle der Stadt Hannover, auf der inzwischen sogar wieder etwas Bautätigkeit zu bewundern ist. Wohl auch, weil einige Investoren da schon so viel reingebuttert haben und doch noch etwas rauskriegen wollen — zumindest ein bisschen mehr als einen Totalverlust. Und deshalb stecken sie halt noch etwas Geld hinein in das schier unersättliche Millionengrab aus Beton. Dass man die Substanz der Tiefgarage nicht allzu lange dem Risiko eines möglichen Hochwassers aussetzen will, ist der verständliche Teil daran. Vermutlich haben sich nach dem Frühjahr selbst die reinrassigen Geldanbeter aus den glanz- und raubvollen Banktempeln insgeheim beim Herrgott bedankt, dass es kein an der Substanz nagendes, typisches Frühjahrshochwasser gab und dass so die Sprengung der Betonburg noch einmal hinausgezögert werden konnte. Der etwas weniger verständliche Teil ist das werkelnde Gewusel in den Läden der zukünftigen Pleitiers an der Blumenauer Straße. Bei dem vielen Kreisverkehr an einem betonblühenden Park und dem ganzen Schwindel drum herum könnte man den Deisterplatz glatt in die Blumenauer Straße verlegen, ein monströser Turm steht dort ja schon…
Aber das ist es ja gar nicht. Also: Das ist nicht das, was so unerträglich juckt, dass der schattenhafte Beobachter am Deisterplatz so sehr von seinem Juckreiz gequält wird, dass er sich einfach mit ein paar hingekratzten Zeilen Text Erleichterung verschaffen muss. Nein, das heutige Juckpulver ist ein ganz anderes, es fand sich im Lindenspiegel für den Monat Juni 2009, der gerade ganz frisch in die arg- und wehrlosen Briefkästen Lindens gestopft wurde, um den Menschen in Linden den beginnenden Sommer zu vermiesen.
Bottelón am 30. Mai
Die kleine Gruppe, die sich selbst als “Interessengemeinschaft Lebendiges Linden 2.0″ bezeichnet, ruft erneut und diesmal recht kurzfristig zu einem Bottelón auf. Dieses soll morgen, am 30. Mai ab 20:00 Uhr am Pferdebrunnen vor der Post an der Ecke Kötnerholzweg Limmerstraße beginnen.
[...] Kaltgetränke Eurer Wahl, Musikabspielgeräte und Grills dürfen gerne wieder mitgebracht werden, Kioske sind wie immer zahlreich vorhanden. Wie immer ist das Konzept des Abends, dass es keins gibt, das heißt ihr alleine bestimmt, in welche Richtung sich die Party bewegt.
Es bleibt zu wünschen, dass dieses Konzept nicht zu einem reinen Besäufnis und zu einer hinterlassenen Wüste aus Glasscherben verkommt. Anwohner des Kötnerholzweges und der Limmerstraße sollten sich schon einmal darauf einstellen, dass beim zu erwartenden lauen Frühlingswetter manch einer dorthin kommen wird und dass ein solches Ereignis wohl auch nicht immer in Grabesruhe verlaufen wird. Wenn gewissen Äußerungen besoffener Barbarei entgegengetreten wird, kann es sogar ein schönes Ereignis werden.
Experiment
Nicht, dass das jemand falsch versteht. Bei dem gegenwärtigen und recht dauerhaften Querelen um das Ihmezentrum handelt es sich nicht etwa um Misswirtschaft und Casino-Kapitalismus, sondern schlicht um eine Form der…
…experimentellen Geschichtsforschung
Gesehen und geknipst im September 2007 im Ihme-Zentrum, eben wiedergefunden und herzlich darüber gelacht…
