Hängt sie höher!
Und immer noch geht am Deisterplatz alles im Kreise, die einen wollen rein und die andern wollen raus.
Rein will zum Beispiel die SPD. Nein, nicht nach Linden, da hat die Buhlmann ja schon längst ihr Büro, sondern — viel schlimmer — in den Bundestag. Und weil gerade so schön Wahlkampf ist, wo die antretenden Parteien mal wieder so richtig schön den Stimmviechern zeigen müssen, dass sie politische Kommunikation für eine Einbahnstraße halten, hängen natürlich überall Wahlplakate in Linden aus. Vor allem von der SPD und von der Linkspartei, aber auch über die MLPD ist mein Auge gestolpert. Man scheint in den Parteien zu glauben, dass die Parteien wegen der Plakate gewählt würden…
Ich würde ja gern etwas Inhaltliches zu den SPD-Plakaten sagen, aber dafür müssten sie so etwas wie Inhalte haben. Wenn dieses Testbild der SPD, dieser charismatische Buchhaltertyp Steinmeier, unter einem Foto von ihm in seinem intensiv grauen Sacko irgendwas mit “Anpacken” drucken lässt, wirkt das nicht nach Inhalt, noch weniger glaubwürdig, sondern es wirkt nur nach einem schlechtem Witz.
Der wird übrigens auch nicht lustiger davon, dass er im Abstand von zwei Laternenpfählen wiederholt wird.
Aber etwas anderes ist lustig an diesen Plakaten.
Ist es euch auch aufgefallen, wenn ihr die Limmerstraße lang gegangen seid? Die Plakate dieser Partei, die alles Soziale und Demokratische so weggelassen hat, dass eben nur noch die Partei übrig geblieben ist, die hängen in diesem Sommer hoch, dass man nicht mehr rankommt. Ich glaube, das ist ein Symbol für “Bürgernähe”.
Früher hingen jedenfalls nur die Plakate der NPD so hoch…
Nee, heute will ich mal raus hier. Wenn sich nur nicht immer alles im Kreise drehen würde…
Ich kotze in die Zeitung
Die Zeitung von gestern taugt […] im besten Falle noch dafür, als Unterlage in einem Vogelkäfig benutzt zu werden, um den Kot der darin eingesperrten Vöglein vom Kasten fern zu halten. Im Regelfall wird sie allerdings zu genau dem Altpapier, das sie konzeptionell bereits bei ihrer Herstellung war.
Und stetig herrscht der Kreisverkehr am Deisterplatze, die einen wollen rein und die anderen wollen raus. So geht es rund und rund, bis einem ganz schwindlig von alledem wird. Raus wollen wohl immer noch viele “Bewohner” der größten Baustelle der Stadt Hannover, auf der inzwischen sogar wieder etwas Bautätigkeit zu bewundern ist. Wohl auch, weil einige Investoren da schon so viel reingebuttert haben und doch noch etwas rauskriegen wollen — zumindest ein bisschen mehr als einen Totalverlust. Und deshalb stecken sie halt noch etwas Geld hinein in das schier unersättliche Millionengrab aus Beton. Dass man die Substanz der Tiefgarage nicht allzu lange dem Risiko eines möglichen Hochwassers aussetzen will, ist der verständliche Teil daran. Vermutlich haben sich nach dem Frühjahr selbst die reinrassigen Geldanbeter aus den glanz- und raubvollen Banktempeln insgeheim beim Herrgott bedankt, dass es kein an der Substanz nagendes, typisches Frühjahrshochwasser gab und dass so die Sprengung der Betonburg noch einmal hinausgezögert werden konnte. Der etwas weniger verständliche Teil ist das werkelnde Gewusel in den Läden der zukünftigen Pleitiers an der Blumenauer Straße. Bei dem vielen Kreisverkehr an einem betonblühenden Park und dem ganzen Schwindel drum herum könnte man den Deisterplatz glatt in die Blumenauer Straße verlegen, ein monströser Turm steht dort ja schon…
Aber das ist es ja gar nicht. Also: Das ist nicht das, was so unerträglich juckt, dass der schattenhafte Beobachter am Deisterplatz so sehr von seinem Juckreiz gequält wird, dass er sich einfach mit ein paar hingekratzten Zeilen Text Erleichterung verschaffen muss. Nein, das heutige Juckpulver ist ein ganz anderes, es fand sich im Lindenspiegel für den Monat Juni 2009, der gerade ganz frisch in die arg- und wehrlosen Briefkästen Lindens gestopft wurde, um den Menschen in Linden den beginnenden Sommer zu vermiesen.
Bottelón am 30. Mai
Die kleine Gruppe, die sich selbst als “Interessengemeinschaft Lebendiges Linden 2.0″ bezeichnet, ruft erneut und diesmal recht kurzfristig zu einem Bottelón auf. Dieses soll morgen, am 30. Mai ab 20:00 Uhr am Pferdebrunnen vor der Post an der Ecke Kötnerholzweg Limmerstraße beginnen.
[…] Kaltgetränke Eurer Wahl, Musikabspielgeräte und Grills dürfen gerne wieder mitgebracht werden, Kioske sind wie immer zahlreich vorhanden. Wie immer ist das Konzept des Abends, dass es keins gibt, das heißt ihr alleine bestimmt, in welche Richtung sich die Party bewegt.
Es bleibt zu wünschen, dass dieses Konzept nicht zu einem reinen Besäufnis und zu einer hinterlassenen Wüste aus Glasscherben verkommt. Anwohner des Kötnerholzweges und der Limmerstraße sollten sich schon einmal darauf einstellen, dass beim zu erwartenden lauen Frühlingswetter manch einer dorthin kommen wird und dass ein solches Ereignis wohl auch nicht immer in Grabesruhe verlaufen wird. Wenn gewissen Äußerungen besoffener Barbarei entgegengetreten wird, kann es sogar ein schönes Ereignis werden.
Die Bar
Wer im kühlen Märzen seine Schritte längs der Limmerstraße schleifen lässt, der kann mancherlei in seine müden Augen saugen. Auf der Mitte des Verlaufes der Straße, gleich gegenüber einer großen Spielhalle, die stets den Eindruck erweckt, dass sie gar nicht geöffnet sei, die aber dennoch immer wieder Menschen durch ihre Tür gehen lässt, befindet sich seit einigen Monaten eine Bar. Das wäre an sich nicht weiter bemerkenswert, wenn diese Bar nicht immer wieder für Momente der Erheiterung sorgen würde.
Es ist ja nicht wirklich warm, so im März.
Aber das scheint manche, die eher eine gewisse Hitze Wärme in ihrem Inneren zu tragen scheinen, nicht davon abzuhalten, das ganz besondere Angebot dieser Bar in Anspruch zu nehmen. Denn vor dieser Bar stehen wenig ergonomisch geformte Bänke, die dazu “einladen” sollen, draußen Platz zu nehmen, dem munteren Verkehr auf der Limmerstraße und den erfreulich regelmäßigen Bussen und Bahnen zu folgen und sich ganz allgemein auf dieser öffentlichen Bühne zum Affen zu machen zu präsentieren. Das gilt auch im März. Wo es nicht wirklich warm ist. Das wissen natürlich auch die Betreiber der Bar, und deshalb stehen — wohl auf Anraten eines befreundeten Arztes oder Tierwärters — Decken für die sich so präsentierenden Menschen zur Verfügung. Diese Decken können zwar nicht das Peinliche überdecken, aber sie verhindern doch wenigstens die Blasenentzündung.
Und das ist doch toll, oder?