Zu klobig!

Denn worum geht es bei dem Millionenprojekt eigentlich? Die Straßenbahnlinie muss mit neuen Hochbahnsteigen barrierefrei gemacht werden, was direkt vor dem Bahnhof aber wegen der klobigen Ausmaße dieses Bahnsteigtyps nicht erwünscht ist. Deshalb soll die Trasse hinter den Bahnhof geführt werden.

Dass Hochbahnsteige „zu klobig“ für den recht weiträumigen Platz vorm hannöverschen Hauptbahnhof sind, bedeutet aber noch lange nicht, dass sie auch „zu klobig“ für die relative Enge der Limmerstraße wären? Ich verstehe…

Immer im Kreis

Und immer noch herrscht Kreisverkehr am Deisterplatz, die einen wollen rein und die andern wollen raus. Davon kann einem schon manchmal ganz schwindelig werden.

Rein wollten zum Beispiel die Hausbesetzer in die Limmerstraße 98, aber vor ihnen wollte auch ein neuer Besitzer rein, um das Haus abzureißen und es durch etwas zu ersetzen, das wohl nicht hübscher sein wird. So kamen die Polizisten reingestürmt, die Besetzer mussten wieder raus und in den nächsten Tagen oder Wochen wird wohl die Abrissbirne etwas zu tun bekommen. Wer etwas besitzt, wird nun einmal vom Geld entschieden, und wer etwas besetzt, weiß das eigentlich. Das liegt alles an Orrmpt.

Orrmpt war einer unserer Vorfahren. Von uns ist er durch den trägen Strom der Jahrtausende getrennt. Er hatte eine dichtere Behaarung als die meisten heute lebenden Menschen und lebte in einer Zeit dünnerer Besiedlung zusammen mit einigen anderen Wesen, die ebenfalls so einen kuscheligen Haarwuchs hatten, irgendwo in einer sumpfigen, mückenverseuchten Ebene. Eines sommerlichen Morgens, als die Sonne sich über dem feuchten Wald erhob, und als die Vögel in den neuen Tag zwitscherten, als wollten sie damit ihre kleinen Kehlchen zerstören — Twitter war noch nicht erfunden, ja, noch nicht einmal das elektrische Licht, und eine besonders starkbehaarte Expertenkommission hatte gerade erst festgestellt, dass „rund“ eine bessere Form fürs Rad ist als „dreieckig“ — da wachte diese ganze kleine Gemeinschaft auf und ging mit fröhlichem, monotonen Gesang an die unausweichlichen Tätigkeiten eines neuen Tages. Überall um Orrmpt herum sah man Wesen, die ihm brüderlich ähnlich sahen, beim Herstellen von Werkzeug, beim Fischfang, beim Teilen der Jagdbeute von gestern, beim Sammeln von Beeren und beim Ficken. Nur Orrmpt machte das alles nicht mit. Er saß mit grießgrämigem Gesichtsausdruck — selbst durch den bärenhaften Bart war das unübersehbar — auf einem großen Stein, der nahe bei der primitiven Siedlung lag. Als ein anderes dieser Wesen an Orrmpt vorbeiging, fiel ihm auf, dass etwas mit Orrmpt nicht stimmte, und es grunzte: „Sachma, Orrmpt, was sitzte hier so miesgelaunt? Haste Verstopfung?“ Und Orrmpt antwortete in einem etwas bellenderem Tonfall als sonst: „Auf diesem Stein, da sitze ich, ja, dieser Stein ist mein Besitz“. Ein drittes dieser Wesen, das schon länger etwas Abstand zu den anderen in der Gruppe hielt und sich auch vor diesen ganzen Tätigkeiten zu drücken suchte, die jeder neue Tag immer wieder von Neuem mit sich brachte, hörte dieses Gespräch und ging daraufhin entschlossen auf die beiden zu und grunzte zu Orrmpt gewandt: „Und ich bin Rechtsanwalt und stelle dir jetzt in doppelter Ausführung eine Besitzurkunde aus, zusammen mit meiner Kostennote.“ Und so hat die ganze Scheiße eben angefangen.

Aber wer meint, dass die fragwürdige „Aufwertung“ des Stadtteils Linden… sorry… innenstadtnahen Wohnquartiers Linden nicht einfach einsetig denen überlassen werden sollte, die darin das gute Geschäft sehen, hat an sich meine volle Sympathie. Schade nur, dass die Hausbesetzer in ihrer Selbstdarstellung so mit den Menschen kommuniziert haben, die direkt vom Zerfall Lindens betroffen sind, dass meine Sympathie auch gleich wieder erstickte — und auch ansonsten haben sie ja gar nicht so recht eingesehen, wozu dieses Ding namens Kommunikation gut sein könnte. Ja, sie klangen fast schon ein bisschen wie Orrmpt…

Es geht eben immer nur im Kreise am Deisterplatz.

Limmer98 im Internet ohne Rückkanal

Die eifrigen (und aus meiner Sicht in diesem Ziel durchaus lobenswerten) Gegner der weiteren Gentrifizierung Lindens und Erkämpfer von Freiräumen in einem Haus, das gerade freigeräumt wurde, betreiben — wie sicherlich viele schon bemerkt haben — für ihre Kommunikation auch ein Blog. Dort lassen sich tagesaktuell die Aufrufe und Aktionen nachlesen, was für Interessierte ausgesprochen nützlich ist, wenn sie sich nicht vom zuweilen schwer verdaulichen Duktus der dort gepflegten Sprache abschrecken lassen. Wer Näheres über vergangene und kommende Aktionen und Stellungnahmen erfahren möchte, sollte dort regelmäßig vorbeischauen…

So weit, so gut.

Aber wie so oft… ist alles nicht nur gut.

Wie in beinahe jedem Blog gibt es dort auch eine Kommentarfunktion. Diese tut so, als sei sie dafür da, dass andere Menschen Anmerkungen zu den Veröffentlichungen machen können. Das ist aber leider nicht der Fall, ganz im Gegenteil, es ist mehrfach zu hören, dass (wohlwollende, nicht pöbelig formulierte) kritische Anmerkungen auch nach mehreren Tagen nicht freigeschaltet werden. Angesichts der aktiven Nutzung des Blogs als Publikationsplattform entsteht nicht der Eindruck, dass es sich um eine Überarbeitung der Menschen handelt, die dieses Blog technisch und inhaltlich verwalten, sondern um Absicht und Methode. Interessanterweise lässt sich gleichzeitig beobachten, dass eine eher substanzlos vorgetragene Kritik zuweilen freigeschaltet wird, weil sie offenbar besser dazu geeignet ist, die Selbstdarstellung der Betreiber zu fördern.

Genossen! Brüder! Schwestern!

Ob so etwas zu den Mitteln gehört, sich in Linden Sympathie zu erwerben, gehört zu den Fragen, die ihr euch einmal in aller Ruhe selbst beantworten solltet. Zumindest mich erinnert ein solches Muster in der Kommunikation überdeutlich an diejenigen Zustände, von denen ihr doch jederzeit sagen würdet, dass sie überwunden werden müssen — und wenn wir in Linden Heuchelei wollen, nun, da haben wir wirklich schon übergroße Auswahl.

Wer jedoch aus Linden mit seinen kritischen Anmerkungen zu den Verlautbarungen des Kollektivs Limmer 98 nicht durchgekommen ist (bitte gebt den Leuten immer ein oder zwei Tage Zeit, die machen das auch nicht professionell), fühle sich dazu eingeladen, seine Anmerkungen hier im Löwen als Kommentar zu diesem Text zu veröffentlichen. Damit der Kontext für andere Leser nicht verloren geht, seit dabei bitte so freundlich, die Internet-Adresse des kommentierten Textes aus der Adressleiste des Browsers zu kopieren und in eurem Kommentar einzufügen.

Wir löschen hier beim Löwen nur Aufrufe zu eindeutig kriminellen Handlungen, Anstachelungen zum Rassenhass und offene Menschenverachtung… und natürlich löschen wir hirnlose Reklame, denn wir sind keine Litfaßsäule. Aber Letzteres betrachten wir auch nicht als Mitteilung eines Menschen.

Methode-n

Flugblatt Limmerstrasse98

Flugblatt Limmerstrasse98

Um sich zur allgemeinen, aktuellen Lage und darüberhinaus  zu informieren und/oder um sich in irgendeiner Form einzubringen (Futtermittelspende, Ideen, Gedankenaustausch u.a.) schaue Mensch am Besten vor Ort vorbei  oder eben vorab  auf der dafür eingerichteten Seite: InfoBlogL98

Hängt sie höher!

Und immer noch geht am Deisterplatz alles im Kreise, die einen wollen rein und die andern wollen raus.

Rein will zum Beispiel die SPD. Nein, nicht nach Linden, da hat die Buhlmann ja schon längst ihr Büro, sondern — viel schlimmer — in den Bundestag. Und weil gerade so schön Wahlkampf ist, wo die antretenden Parteien mal wieder so richtig schön den Stimmviechern zeigen müssen, dass sie politische Kommunikation für eine Einbahnstraße halten, hängen natürlich überall Wahlplakate in Linden aus. Vor allem von der SPD und von der Linkspartei, aber auch über die MLPD ist mein Auge gestolpert. Man scheint in den Parteien zu glauben, dass die Parteien wegen der Plakate gewählt würden…

Ich würde ja gern etwas Inhaltliches zu den SPD-Plakaten sagen, aber dafür müssten sie so etwas wie Inhalte haben. Wenn dieses Testbild der SPD, dieser charismatische Buchhaltertyp Steinmeier, unter einem Foto von ihm in seinem intensiv grauen Sacko irgendwas mit „Anpacken“ drucken lässt, wirkt das nicht nach Inhalt, noch weniger glaubwürdig, sondern es wirkt nur nach einem schlechtem Witz.

Der wird übrigens auch nicht lustiger davon, dass er im Abstand von zwei Laternenpfählen wiederholt wird.

Aber etwas anderes ist lustig an diesen Plakaten.

Ist es euch auch aufgefallen, wenn ihr die Limmerstraße lang gegangen seid? Die Plakate dieser Partei, die alles Soziale und Demokratische so weggelassen hat, dass eben nur noch die Partei übrig geblieben ist, die hängen in diesem Sommer hoch, dass man nicht mehr rankommt. Ich glaube, das ist ein Symbol für „Bürgernähe“.

Früher hingen jedenfalls nur die Plakate der NPD so hoch… :mrgreen:

Nee, heute will ich mal raus hier. Wenn sich nur nicht immer alles im Kreise drehen würde…

Ich kotze in die Zeitung

Die Zeitung von gestern taugt […] im besten Falle noch dafür, als Unterlage in einem Vogelkäfig benutzt zu werden, um den Kot der darin eingesperrten Vöglein vom Kasten fern zu halten. Im Regelfall wird sie allerdings zu genau dem Altpapier, das sie konzeptionell bereits bei ihrer Herstellung war.

Elias Schwerdtfeger

Und stetig herrscht der Kreisverkehr am Deisterplatze, die einen wollen rein und die anderen wollen raus. So geht es rund und rund, bis einem ganz schwindlig von alledem wird. Raus wollen wohl immer noch viele „Bewohner“ der größten Baustelle der Stadt Hannover, auf der inzwischen sogar wieder etwas Bautätigkeit zu bewundern ist. Wohl auch, weil einige Investoren da schon so viel reingebuttert haben und doch noch etwas rauskriegen wollen — zumindest ein bisschen mehr als einen Totalverlust. Und deshalb stecken sie halt noch etwas Geld hinein in das schier unersättliche Millionengrab aus Beton. Dass man die Substanz der Tiefgarage nicht allzu lange dem Risiko eines möglichen Hochwassers aussetzen will, ist der verständliche Teil daran. Vermutlich haben sich nach dem Frühjahr selbst die reinrassigen Geldanbeter aus den glanz- und raubvollen Banktempeln insgeheim beim Herrgott bedankt, dass es kein an der Substanz nagendes, typisches Frühjahrshochwasser gab und dass so die Sprengung der Betonburg noch einmal hinausgezögert werden konnte. Der etwas weniger verständliche Teil ist das werkelnde Gewusel in den Läden der zukünftigen Pleitiers an der Blumenauer Straße. Bei dem vielen Kreisverkehr an einem betonblühenden Park und dem ganzen Schwindel drum herum könnte man den Deisterplatz glatt in die Blumenauer Straße verlegen, ein monströser Turm steht dort ja schon…

Aber das ist es ja gar nicht. Also: Das ist nicht das, was so unerträglich juckt, dass der schattenhafte Beobachter am Deisterplatz so sehr von seinem Juckreiz gequält wird, dass er sich einfach mit ein paar hingekratzten Zeilen Text Erleichterung verschaffen muss. Nein, das heutige Juckpulver ist ein ganz anderes, es fand sich im Lindenspiegel für den Monat Juni 2009, der gerade ganz frisch in die arg- und wehrlosen Briefkästen Lindens gestopft wurde, um den Menschen in Linden den beginnenden Sommer zu vermiesen.

weiter…

Bottelón am 30. Mai

Die kleine Gruppe, die sich selbst als „Interessengemeinschaft Lebendiges Linden 2.0“ bezeichnet, ruft erneut und diesmal recht kurzfristig zu einem Bottelón auf. Dieses soll morgen, am 30. Mai ab 20:00 Uhr am Pferdebrunnen vor der Post an der Ecke Kötnerholzweg Limmerstraße beginnen.

[…] Kaltgetränke Eurer Wahl, Musikabspielgeräte und Grills dürfen gerne wieder mitgebracht werden, Kioske sind wie immer zahlreich vorhanden. Wie immer ist das Konzept des Abends, dass es keins gibt, das heißt ihr alleine bestimmt, in welche Richtung sich die Party bewegt.

Es bleibt zu wünschen, dass dieses Konzept nicht zu einem reinen Besäufnis und zu einer hinterlassenen Wüste aus Glasscherben verkommt. Anwohner des Kötnerholzweges und der Limmerstraße sollten sich schon einmal darauf einstellen, dass beim zu erwartenden lauen Frühlingswetter manch einer dorthin kommen wird und dass ein solches Ereignis wohl auch nicht immer in Grabesruhe verlaufen wird. Wenn gewissen Äußerungen besoffener Barbarei entgegengetreten wird, kann es sogar ein schönes Ereignis werden.

Die Bar

Wer im kühlen Märzen seine Schritte längs der Limmerstraße schleifen lässt, der kann mancherlei in seine müden Augen saugen. Auf der Mitte des Verlaufes der Straße, gleich gegenüber einer großen Spielhalle, die stets den Eindruck erweckt, dass sie gar nicht geöffnet sei, die aber dennoch immer wieder Menschen durch ihre Tür gehen lässt, befindet sich seit einigen Monaten eine Bar. Das wäre an sich nicht weiter bemerkenswert, wenn diese Bar nicht immer wieder für Momente der Erheiterung sorgen würde.

Es ist ja nicht wirklich warm, so im März.

Aber das scheint manche, die eher eine gewisse Hitze Wärme in ihrem Inneren zu tragen scheinen, nicht davon abzuhalten, das ganz besondere Angebot dieser Bar in Anspruch zu nehmen. Denn vor dieser Bar stehen wenig ergonomisch geformte Bänke, die dazu „einladen“ sollen, draußen Platz zu nehmen, dem munteren Verkehr auf der Limmerstraße und den erfreulich regelmäßigen Bussen und Bahnen zu folgen und sich ganz allgemein auf dieser öffentlichen Bühne zum Affen zu machen zu präsentieren. Das gilt auch im März. Wo es nicht wirklich warm ist. Das wissen natürlich auch die Betreiber der Bar, und deshalb stehen — wohl auf Anraten eines befreundeten Arztes oder Tierwärters — Decken für die sich so präsentierenden Menschen zur Verfügung. Diese Decken können zwar nicht das Peinliche überdecken, aber sie verhindern doch wenigstens die Blasenentzündung.

Und das ist doch toll, oder?