Kriminalprävention im Städtebau

An dieses EU-Projekt zur „Kriminalprävention im Städtebau“, das im Februar von Kriminalhauptkommisar Dirk Behrmann und Dipl.-Ing. Anke Schröder präsentiert wurde, kann sich wohl mancher noch erinnern. Wer wissen möchte, was dieser kryptische Herrschaftsblah bedeutet, der uns Lindenern zum Hohn auch noch als ein „PluS“ verkauft wird, sollte einmal einen Blick in das Gentrification-Blog werfen:

Die Polizei Hamburg beteiligt sich nach eigenem Bekunden seit mehreren Jahren „strukturiert“ und „regelhaft“ an der Stadtplanung in Hamburg. Aus kriminalpräventiven Gründen ist sie offenbar an einer Ausräumung von Bäumen, Sträuchern und Hecken aus dem öffentlichen Raum interessiert. Der seit einigen Jahren unbemerkt durchgeführte Einsatz von fliegenden Überwachungs-Drohnen in Hamburg könnte diese Bestrebungen zur „Entlaubung“ der Stadt noch verstärken.[…]

Mit der städtebaulichen Prävention werden verantwortlichen Stadtplanern und Architekten der Kommunen und der freien Wirtschaft Empfehlungen und Vorschläge der Polizei zu geeigneten Präventionsmaßnahmen unterbreitet.

Bitte auch den Links im Gentrification-Blog folgen — und besser eine Speitüte bereit legen.

Glückwunsch, Polizeidirektion West…

…dass ihr nicht in die Betonruinen des Ihmezentrums ziehen müsst. Besonders erfreulich finden wir es, dass ihr demnächst jenseits der Fösse im „Stichweh-Leine-Park“ (ist eigentlich neuerdings jede abstoßende Architekturruine ein Park?) seid und somit nicht mehr in Linden. Und ansonsten freuen wir uns schon darauf…

Der Polizeivizepräsident kann daher auch der Sorge entgegentreten, dass die Polizei ihre Präsenz im bevölkerungsreichen Stadtteil Linden vermindern werde. „Das Gegenteil wird der Fall sein“, versichert Langer, der die Inspektion früher selbst geleitet hat. „Wir werden unsere Präsenz in Linden sogar noch erhöhen können. Überdies sind wir in Zukunft ja nur wenige hundert Meter außerhalb Lindens, und der neue Standort ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut zu erreichen.“

…dass noch mehr blaue Wagen im Schritttempo an uns vorbeifahren und alles skeptisch beäugen und willkürlich personenkontrollieren, was nach Leben auf den Straßen aussieht — und damit anders als das durchschnittliche Dasein eines Polizeibeamten. ;-)

PluS EU, Minus Linden?

Wir vom Lindener Löwen haben keine Kosten und Mühen gescheut und haben uns mit einer zweiköpfigen Delegation zur Grundschule am Lindener Markt zur dortigen Informationsver(an)staltung zu diesem tollen polizeilichen, universitären und total wissenschaftlichen Dingsda namens PluS — Planning urban Security (wir berichteten über die Berichterstattung im Vorfeld in der ehemaligen Lindener Stadtteilzeitung) bequemt.

In der Tat, das taten nicht viele. Die Aula der Grundschule am Lindener Markt machte folgenden Eindruck:

Die Aula während der Veranstaltung

Ob dieses geringe Besucheraufkommen im Zusammenhange damit zu sehen ist, das die Qualitätsjournalisten des Lindenspiegels den heutigen Donnerstag für einen Mittwoch hielten und auch nicht zu sagen wussten, wo sich denn diese Grundschule befindet — ich dachte eigentlich, eine Immobilie sei dadurch ausgezeichnet, dass sie sich nicht bewege —  sei einmal dahingestellt. Es kann ja durchaus sein, dass einfach nur abgeschrieben wurde, was in der Presseerklärung des LKA Niedersachsen geliefert wurde. Manchmal ist Öffentlichkeit in der Öffentlichkeitsarbeit auch nicht so erwünscht, wie der Eindruck erwünscht ist, sie sei erwünscht. Aber das ist natürlich nur Spekulation, Verschwörungstheorie und anderer Spekulatius, es war jedenfalls leer.

In gemütlicher Runde am wenig gemütlichen Orte wurde von Kriminalhauptkommissar Dirk Behrmann und Dipl.-Ing. Anke Schröder mit Hilfe einer PowerPoint-Präsentation und in geübter Vortragsweise das Projekt vorgestellt. Bevor es dazu kam, wurde allerdings von den Vortragenden festgestellt, dass die anwesenden Lindener heute einmal nicht in die Kneipe gegangen seien, sondern gekommen sind — als ob alle Menschen in Linden ihr Leben nur im Suff ertragen könnten. Wenn wir einmal vorsichtig zählen, waren zusammen mit den Vortragenden zehn Personen anwesend, und drei von ihnen waren Polizisten…

Polizisten betreten die Grundschule

…denn es waren auch zwei freundliche Polizeibeamte zugegen, die offensichtlich im Dienst waren. Wurde etwa Randale vermutet? Aber doch nicht in Linden. Sicher, als Polizeibeamte hatten sie auch Interesse an der polizeilichen und architektonischen Gestaltung einer sicheren „gebauten Umwelt“. Sie saßen allerdings eher zurückhaltend in der letzten Reihe und zeigten Präsenz. Schön, dass man sich jetzt schon sicherer fühlen kann.

Persönlich interessant fand ich, wer alles nicht dort war. Wir haben offenbar keinen Wahlkampf mehr, und so hielten es weder die Grünen noch die Linke für erforderlich, in einer Angelegenheit, die wegen ihres sozialpolitischen Bezuges durchaus die Programmatik streift, Präsenz zu zeigen. Aber das tat ja schon die Polizei. Auch Vertreter der Journaille machten sich rar, und natürlich druckt der Lindenspiegel zwar den irreführenden Hinweis auf die Veranstaltung ab, aber das heißt ja noch lange nicht, dass sich jemand von diesem Blatt dort blicken lässt. Oder waren die etwa gestern da? Immerhin: Abschreiben können sie. (Ein bisschen.)

Gern würde ich etwas zum Inhalt des Vortrages schreiben. Aber so viel Inhalt war da auch wieder nicht. Es wurde zwar viel gesagt, aber nur weniges davon war konkret. Einen Eindruck wird vielleicht in den nächsten Tagen die PowerPoint-Präsentation vermitteln; wir haben darum gebeten, dass diese auf der Website des Projektes zum Download zur Verfügung gestellt wird. Sollte dies bis — sagen wir mal — Dienstag nächster Woche nicht geschehen sein, so wird euch sicherlich die Information erfreuen, dass die Macher dieser wissenschaftlichen Untersuchung sehr am Gespräch interessiert sind. Die Kontaktdaten für eine schnelle und freundliche E-Mail stehen ja im Internet. Aber habt bitte ein paar Tage Geduld, bei einer deutschen Behörde kann selbst der Upload einer Datei zu einem Webserver ein etwas komplizierter Vorgang sein. Wir wären da etwas schneller gewesen…  ;-)

Aber meine Polemik mal beiseite: Es gab natürlich Inhalte. Es ging natürlich um Kriminalprävention. Im Städtebau. Oder anders: Es ging darum, wie vorbeugende Kriminalitätsverhütung [sic!] bei städtebaulichen Maßnahmen in Rechnung gezogen werden kann. Jetzt aber nur so als Wisschenschaft, weil überhaupt keine Daten zu diesem Thema vorliegen. Deshalb wird dieses Thema jetzt in einem Projekt der Europäischen Union forsch erforscht. Das heißt nun aber nicht, dass man gar nichts wüsste, denn was man in diesem Komplexe weiß, das wurde einmal in der Präsentation an die Wand geworfen und sah so aus:

Wissenschaftliches Bullshit-Bingo zur Kriminalprävention…

Für Lindener vielleicht besonders interessant ist hier das Fettgedruckte. Aber erst einmal diese tolle Grafik erklären. Es handelt sich um eine scheinbar quantitative Darstellung, wobei auf der x-Achse die Auftretungswahrscheinlichkeit [sic!] angegeben wird, während auf der y-Achse die Höhe der Auswirkung auf die Beunruhigung der Menschen ablesbar ist. Anders, als im Mathematikunterricht, schlängelt sich hier jedoch keine Kurve empor, sondern es wurden verschiedene Sprechblasen in das Diagramm entleert. Obwohl in dieser interessanten Anordnung die „Beeinträchtigungen des Sicherheitsempfinden [sic!] durch Belegung öffentlicher Plätze im Wohnumfeld“ ein eher mittelklassiger Problembereich sind, wurde hier die Sprechblase besonders groß und es wurde das Stilmittel des Fettdrucks zur weiteren Bestärkung des Blasendruckes eingesetzt. Das zeigt natürlich auch, wo es den wohl gar nicht so wertneutralen Forschern besonders drückt.

Auch im Vortrage war immer wieder von diesem Problemfeld die Rede. Wie nützlich bei der „Vermittlung dieses Problemes“ doch die achtzigjährige Frau ist, die sich nicht mehr aus dem Haus traut, wenn überall öffentliche Plätze belegt sind, zum Beispiel durch arme Menschen, Alkoholiker, Ausländer oder sonstige Darsteller der Gefährdung in unser täglich Zeitungsfraß. Eventuelle Grundrechtseingriffe sollen also der Befriedung subjektiver Bedrohungsängste dienen und auf diesem Wege gerechtfertigt werden. Nun, das kommt mir nicht so neu vor. Aber es wird ja nur geforscht. Und zwar hier, in Linden. Und an weiteren Plätzen in Europa. Damit man fortan wissenschaftliche Daten für den Umgang mit solchen Problemen hat. In Zweifelsfall wird dann immer die Erkenntnis angewendet, die besonders gut zur polizeilichen Strategie, zum politischen Programm und zur gewünschten geschäftlichen Entwicklung passt — auch wenn diese einmal in Griechenland oder Östereich gewonnen wurde. Das sind doch tolle Aussichten!

Immerhin, diese Forschung wird mit insgesamt 600.000 Euro vom Lande Niedersachsen und von der Europäischen Union finanziert. Damit entsteht dann auch ein „wissenschaftliches“ Ergebnis, mit dem dieses gar nicht so neue Vorgehen in Zukunft besser begründet werden kann. Die goldene Regel der Wissenschaft ist übrigens ganz einfach: Wer das Gold hat, der macht die Regel.

Den Vortragenden kam aus der recht dünnen Zuhörerschaft ein kalter und gut informierter Gegenwind entgegen. Es war wirklich keine leichte Leistung, diesen Einwürfen entgegenzutreten, indem immer wieder die gleichen Beispiele, Versatzstücke und Vermeidungen konkreter Aussagen in gepflegte Sprache verpackt wurden. Dafür ein großer Respekt an Herrn Kriminalhauptkommissar Dirk Behrmann. Er muss sehr viel Übung in dieser Form der „Kommunikation“ haben. Die Frau Ingenieurin trat im Verlaufe des zeitweise offenen Abtausches ein wenig in den Hintergrund, aber keine Sorge, das lernt sie auch noch. In der gleichen Monotonie, in der dieses Forschungsprojekt dargelegt wurde, wurde von den Anwesenden angemerkt, dass es hier um eine rein technokratische Betrachtung sozialer Probleme geht, die auf ebenso technokratische Weise „behandelt“ werden sollen. Die davon betroffenen Menschen träten hinter einer solchen Betrachtung in den Zustand einer unbeachtlichen und marginalisierten Verfügungsmasse zurück. Dies erweckte sogar einmal die Erinnerung an den Beginn der dunkelbraunsten deutschen Zeiten.

Ein Teilnehmer verließ schon vor dem Aufkommen derart trüber Assoziationen erbost die Veranstaltung, weil er die dort herrschende menschliche Kälte wohl nicht mehr ertragen konnte. Zumindest ich kann ihn verstehen.

Was wird als nächstes geschehen?

Die Menschen in der Region Lindens, die zum Gegenstand dieser Untersuchung werden soll, bekommen in den nächsten Wochen Post.  Nicht alle Menschen, denn es wird eine Gruppe von 1.000 Personen zufällig ausgewählt. Inhalt des Briefumschlages ist ein Fragebogen, und über den Inhalt des Fragebogens wissen wir nicht viel. Es wird sowohl nach persönlichen Befindlichkeiten, also nach dem subjektiven Sicherheitsgefühl, als auch nach einer Einschätzung der Wohnsituation und der baulichen Gestaltung gefragt werden. Auf diesen Fragebögen kann man Kreuze machen, sie in den Rückumschlag stecken und einsenden, wenn man an dieser Untersuchung teilnehmen möchte und Linden hasst. Wer noch einen Ofen hat, kann das Papier anderweitig sinnvoll zum Anmachen nutzen, wer keinen Ofen mehr hat, verwandelt es entweder in lustiges Kinderspielzeug oder Altpapier. Den gefügigen und von jedem Aufscheinen des Wortes „sozial“ unmittelbar verblendeten Neulindenern aus dem Sozpäd-Ghetto „Gilde-Carré“ wird sicherlich angesichts dieser „Tatgelegenheitsstruktur“ nichts anderes einfallen, als Kreuze zu machen und die Fragebögen zurückzusenden — deshalb ist ihre fast völlig ummauerte Wohnwelt auch im untersuchten Gebiet aufgenommen worden.

Und dann werden die Daten ausgewertet, die Schlüsse gezogen und die Welt wird sicherer gemacht. Denn ganz wichtig ist…

PRÄVENTION

PRÄVENTION!

Lindenspiegel im Wandel

Wir erinnern uns. Im Juni vergangenen Jahres beizte der Lindenspiegel die Gehirne mit seiner aufdringlichen Reklame (natürlich im redaktionellen Teil) für Vorfeldmaßnahmen zum weiteren menschlichen Rückbau Lindens, so dass ich fast in die Zeitung gekotzt hätte. Überschrieben war der als studentische Umfrage verpackte Scheiß mit dem Titel „Linden im Wandel„, aber in Wirklichkeit befindet sich nur der Lindenspiegel im Wandel. Er folgt dem gesellschaftlichen Trend zur intellektuellen Ghettobildung und besteht folglich auch aus zwei Teilen: Der inliegenden „Interkulturellen Stadtteil Zeitung“, die vieles von der bunten Wirklichkeit unserer Heimat abbildet, und dem scheinbar journalistischen Blatt, dass in erheblichen Teilen zu einer Verdummung frisch aus der Rotationsmaschine verkommen ist. Gleich, ob dabei unter dem lächerlichen Vorwand einer „gesundheitlichen Aufklärung“ heiter für allerlei mehr oder weniger wirksame Mittelchen aus den Apotheken und aus der Quacksalberei der Schönheits- und Lifestyle-Branche Reklame gemacht wird, oder ob offenbar irgendwelche schnell abgeschriebenen Presseerklärungen notdürftig um ein paar Sätze ergänzt werden, damit auch der Eindruck von Pressearbeit entstehe. Am Deisterplatz, wo sich immer noch alles im Kreise dreht, wenn die einen rein und die anderen raus wollen, flatterte mir die Februar-Ausgabe dieses in die wehrlosen Briefkästen gestopften Käseblattes vor die Füße.

Dieses Blatt, das sich noch am besten dazu eignet, zu einer Spucktüte gefaltet zu werden, damit man es besser vollgöbeln kann, nahm noch einmal Bezug auf die „studentische Untersuchung“, die im vergangenen Sommer unter der Leitung von Frau Dipl.-Geogr. B. Tutkunkardes durchgeführt wurde. Natürlich wurde dabei nicht erwähnt, dass in ganz Linden Flugzettel geklebt und — im Gegensatz etwa zur wild plakatierten Werbung — auffällig beflissen auch entfernt wurden, die das Fragwürdige dieser Untersuchung in den Sinn rufen wollten, und es wurde auch nicht mehr so viel von den „Veränderungen der baulichen, sozialen und kommerziellen Struktur […], die insgesamt eine Aufwertung und einen sukzessiven Imagewandel der Altbauquartiere mit sich bringen“ gefaselt, sondern etwas sehr anderes, aber lest es doch selbst:

Linden ist Gegenstand eines Europäischen Forschungsprojektes

Was kann Stadtplanung zur Sicherheit der Bürger beitragen?

In der Tat, eine drängende Frage in einem Stadtteil, in dem sich die meisten darin lebenden Menschen recht wohl und gar nicht unsicher fühlen. Diese Frage wird dann auch beantwortet. Offen bleibt jedoch die Frage, warum die Schmierfinken, die diesen Artikel hingerotzt haben, so sehr auf die Vergesslichkeit der Menschen in Linden bauen können. Das hier heißt Linden, nicht Alzheim.

Im letzten Jahr gab es im Rahmen eines studentischen Projekts eine Umfrage unter Lindener BürgerInnen zur Einschätzung ihres Stadtteils.

Ja, diese Umfrage gab es, wir wissen es noch genau. In dieser Umfrage ging es um alles mögliche, aber selbst der so energisch kommentierende Fürsprecher namens Nicolas nahm nicht das Wort von der Sicherheit in den Mund. Immerhin wurde uns in seinem Kommentar sogar vorgeworfen, eine „Weltverschwörung“ an die Wand zu malen, wo es doch nur um ein ganz kleines, ach so wohltätiges lokales Projekt ginge — übrigens ein Wort, das der Leser eher in seinem Kopfe als in der Kritik seiner Untaten fand. Nun, eine Weltverschwörung liegt immer noch nicht vor, aber immerhin schon einmal ein „Europäisches Forschungsprojekt“… ;-)

Der Lindenspiegel berichtete darüber und stellte im September die Ergebnisse vor. Linden wurde von der großen Mehrheit seiner BewohnerInnen außerordentlich positiv und als interessant und lebenswert beurteilt.

Und das soll sich nun ändern… :mrgreen:

Was aber macht einen lebenswerten Stadtteil aus?

Vielleicht die Tatsache, dass er so ist wie Linden? Bunt, lebendig, größtenteils harmlos und sehr vielfältig? Und dass in einem solchen Stadtteil nicht nur irgendwelche Entseelungsreste rumlungern, die aus jedem menschlichen Miteinander einen sozial optimierten Geschäftsvorgang machen wollen?

Ich meine ja nur mal so, als Nichtwisschenschaftler. Aber beim Lindenspiegel schreibt man lieber etwas ganz anderes ab, um die erste Seite des Blattes zu bestempeln.

Aspekte dabei sind u. a. die gefühlte Sicherheit und das tatsächliche Kriminalitätsaufkommen.

Ah ja! Mehr Polizisten, Überwachungskameras und weniger öffentlicher Raum, der zum kostenlosen Verweilen und Leben einlädt. Schon ist dieses ganze Pack — sorry: — schon sind die Lindener von der Straße und alles sieht viel sicherer aus.

(Vielleicht als kleine Krone noch ein Gefängnisneubau an Stelle des Ihmezentrums? Die Burg-Ästhetik passt ja schon ganz gut.)

Das Landeskriminalamt Niedersachsen hat hierzu ein internationales EU-Forschungsprojekt initiiert, das die Lindener BürgerInnen mit einbinden soll.

Hmm, kommt mir bekannt vor:mrgreen:

Seit […]

Wie, das läuft schon? Haben wir aber gar nichts von mitbekommen. Da hatte der Lindenspiegel wohl noch keine Unterlagen, was? Und das hat gar nichts mit diesem „studentischen Projekt“ zu tun, das nur zufällig…

[…] dem  01.07.2009 […]

…an so einem ähnlichen Termin begann und nur zur Zierde eingangs des tollen und gewohnt hochqualitativen Artikels im Lindenspiegel erwähnt wurde.

Ebenfalls ist es wohl nur ein Zufall, dass dieses Thema gar nicht existierte, als diese Studenten da letzte Woche im Freizeitheim Linden in trauter Gemeinschaft mit dem Stadtplanungsamt ihre lieblichen Ideen zur Vernichtung meiner Heimat vorgestellt haben. Die werden da ja nur zur Zierde erwähnt, deshalb wissen die auch nichts davon. Und einige scheinen zu glauben, dass die Menschen in Linden ihren Kopf nur für den Friseur tragen.

[…] läuft das Projekt „PluS — Planning urban Security / Planung urbaner Sicherheit“ […]

Und nicht vergessen. Das „u“ in „urban“ wird nicht als „ö“ ausgesprochen, sondern als langgezogenes Schwa. Oder vielleicht doch gleich das deutsche Wort nehmen. Heißt ja genau so, schreibt sich genau so und die Abk. bleibt auch gleich. Ach ja, „urban“ kommt übrigens vom lateinischen Adjektiv „urbanus“, das so viel wie „zur Stadt gehörend“ bedeutet. Klingt ja auch gleich viel gebildeter, wenn man mit den Leuten Fremdsprachen spricht.

[…] zur Kriminalprävention im Städtebau.

*prust!*

Das Projekt untersucht, wie man durch gezielte Maßnahmen im Städtebau die Sicherheitslage beeinflussen und die Anzahl von Straftaten reduzieren kann.

Und ich dachte immer, deshalb kreist der Hubi so oft über Linden und raubt uns die Ruhe.

Mein Vorschlag, ganz unwisschenschaftlich: Ausgehverbot bei Dunkelheit, Totalüberwachung, Verbot öffentlicher Versammlungen von mehr als null Leuten und vor allem die Menschen von der Straße holen. Aber diese Wisschenschaftler wissen das bestimmt besser. Vor allem, besser auszudrücken.

Als herausragendes Beispiel für verbesserungswürdige Stadtplanung sei hier nur das in Linden allseits so beliebte Ihmezentrum genannt.

Oh, da hat doch tatsächlich jemand einen Absatz in den beim Hinschauen wie übernommen aussehenden Text reingebastelt. Neben so viel Realsatire kommt die Ironie aber leider nicht durch.

Zusammen mit PartnerInnen aus Deutschland (Hannover), Großbritannien (Manchester), Polen (Stettin) und Östereich (Wien) soll u. a. den Fragen nachgegangen werden, welche kriminalpräventiven Ansätze im Städtebau es in Europa bereits gibt und welche Maßnahmen auf andere Länder übertragen werden können, um die Sicherheitslage zu verbessern.

Was das nun für obskure Partner_innen (scheiß alternativtümelnde BinnenMajuskel!) sein sollen, wird in der Fülle dieses Textes besser verschwiegen. Statt dieser wirklich interessanten Information gibt es noch ein bisschen Blah:

 Das Bedürfnis nach Sicherheit ist für das Wohlbefinden der Bürgerinnen und Bürger von großer Bedeutung. Dieses subjektive Sicherheitsbedürfmnis lässt sich u.a. auch durch kriminalpräventive Maßnahmen im Städtebau positiv beeinflussen.

Ich sags ja, Blah. „Sicherheitsbedürfnis“ und „Maßnahmen“, kein WAS, kein WIE, nur WO — nämlich hier, in Linden.

Dabei gibt es bereits sichtbare Erkenntnisse aus Hannover-Linden.

Meint ihr damit jetzt die Wirtschaftskriminaltät, die uns dieses tolle Ihmezentrum zur Ruine gemacht hat?  In der Tat, vor so einer Scheiße von herzzerfressenen Arschlöchern ist auch in Linden keiner sicher.

Aber, um es noch einmal zu wiederholen, kein WAS, kein WIE, nur WO.

Ist Linden besser als sein Ruf?

Neben konkreten baulichen Maßnahmen, wie Verbesserung der Orientierung durch klare Wegeführung — im Ihmezentrum zweifellos dringend erforderlich — […]

Ach so, ihr wollt ein paar Wegweiser in einer langsam vor sich hin rottenden Großbaustelle haben. Na, das ist doch endlich einmal ein WAS und ein WIE, und was für eines! Da freut sich doch jeder, der da im Dreck leben muss, den Carlyle in Zusammenarbeit mit der Stadt Hannover hinterlassen hat.

[…] die Zuordnung privater Bereiche […]

Hmm

[…] und eindeutige Verteilung von Verantwortlichkeiten, spielt die Gegenüberstellung der tatsächlichen Kriminalitätslage mit der vorhandenen subjektiven Kriminalitätsfurcht der BürgerInnen eine große Rolle.

Hey, geil! Die Polizei will politische Aufklärungsarbeit leisten? :D

Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber nicht das gelegentliche Anlegen der Handschellen vergessen…

Das Untersuchungsgebiet in Linden-Mitte umfasst das Gebiet zwischen der Stephanusstraße, Falkenstraße, Ihmepassage und Blumenauer Straße.

Na, das ist doch eine gute Nachricht. Da ist ja auch dieses Sozpäd-Ghetto namens Gilde-Carré drin, und darin finden sich gewiss ein paar Neulindener, die ihre in der VR China gefertigte Tibet-Fahne schwenken, wenn sie ihrer Sehnsucht nach mehr Sicherheit Ausdruck verleihen — eine einfache Mauer reicht wohl nicht. Mit diesen netten Zeitgenossen, die sich leider noch nicht die schnieke Eigentumswohnung in der List leisten können, muss man sich ja schon öfter mal herumschlagen.

Ab Mitte Februar wird es eine Fragebogenaktion geben. Über 1000 Personen aus diesem Bereich werden nach dem statistischen Zufallsprinzip ausgewählt und gebeten, an der Befragung teilzunehmen.

Übrigens: Es gibt zwar ein Zufallsprinzip, und es gibt in der Statistik eine zufällig ausgewählte Stichprobe, aber das statistische Zufallsprinzip ist mir noch nicht begegnet. Ist damit jetzt gemeint, dass die Auswahl bei einer statistischen Untersuchung zufällig aussieht?

Über den Postweg oder online können Sie […]

Holla, ein großgeschriebenes „S“, ich fühle mich total persönlich angesprochen!

[…] dann Ihre Meinung zur Sicherheitslage im Stadtteil abgeben, […]

Da wird aber so richtig durchgemeint! Zum Ankreuzen!

[…] damit die Polizei als Partner im Städtebau […]

Bislang kannte ich Mitmensch Polizeibeamter vor allem mal mit einer Haltekelle. Aber so eine Maurerkelle ist auch ganz sympathisch.

(Ich muss mal aufs Klo, das Lachen lässt meine Blase explodieren.)

[…] bürgernah und gut vorbereitet […]

Auf was?

[…]  in den bereits erwähnten Ländervergleich gehen kann.

Wow! Ein Ländervergleich! Das ist ja fast schon eine Europameisterschaft! JEETZT GEEHTS LOOS! LINDEN WIRD MEISTER!

In was?

Natürlich darin, ein für die Polizei gut behandelbarer Stadtteil zu sein. MEISTER… *gröhl!*

Was kommt für Linden dabei heraus?

Letztendlich […]

Gutes erstes Wort. Zusammengesetzt aus Letzt und Ende.

[…] geht es um die Verbesserung der Lebensbedinungen unter der Perspektive eines friedlichen und möglichst konfliktfreien Zusammenlebens durch das Zusammenspiel von gebauter Umwelt und sozialräumlichen Engagement.

Manchem Bullshit begegnet man noch am besten, wenn man ihn gewähren lässt…

So, und jetzt ist dem Gestalter der Titelseite des Lindenspiegels noch ein weiterer Absatz selbst eingefallen, den er als Einfall in den Text fallen ließ, damit bei uns der Groschen fällt:

Es sollen Missstände wie sie zum Beispiel durch die Architektur des Ihme-Zentrums verursacht werden durch dieses Projekt auch aufgedeckt werden!

[Ausrufezeichen, Stilschwäche und Kommafehler aus dem Original, nicht von mir.]

Wer sich näher informieren will, wird vielleicht das folgende Angebot schätzen — es wäre wohl günstig, wenn eine gut gebildete und heimatverbundene Meinung nebst einiger Flaschen Herri zum besseren Ertragen des Gefasels mitgebracht werden:

Info-Veranstaltung

Eine öffentliche Informationsveranstaltung zu diesem Projekt findet am Mittwoch, 11. Februar ab 19 Uhr in der Aula der Grundschule Am Lindener Markt statt.  Dort, sowie unster www.plus-eu.com gibt es weiterführende Informationen für interessierte BürgerInnen.

Da kann man doch gar nicht widerstehen! Aber vielleicht widerstehen. Zur Hilfe und zur Motivation hier noch ein kleines Zitat der Website des Projektes — gemeint ist hier Linden, unsere Heimat:

„PluS“ baut auf der Erkenntnis auf, dass sich soziale Unordnung z.B. auf Grund von Armut, Arbeitslosigkeit, Desintegration und Delinquenz aus mehreren Gründen häufig in benachteiligten Stadtteilen ballt. Die Folge ist nicht selten, dass benachteiligte Orte dazu führen dass sie für die Bewohner und Bewohnerinnen zu benachteiligende Orte [sic!] werden können. […]

Durch das Zusammenspiel von planerischem und polizeilichem Konwhow [sic!] unter Beteiligung der Akteure und Akteurinnen vor Ort kann eine Beeinflussung der gebauten Umwelt [sic!] und des Wohnumfeldes im Hinblick auf die Tatgelegenheitsstruktur [sic!] und auf die vermittelte Lebensqualität eine erhebliche kriminalpräventive Wirkungen [sic!] haben.

Nur, damit wir nicht morgen sagen: „Gestern habe ich mich noch wohl gefühlt, aber heute fühle ich mich vor allem sicher“ — und wo Linden von Delinquenz geprägt ist, möchte ich mir gern zeigen lassen. Das Gefasel, das ich heute lesen musste, war hingegen von Flatulenz geprägt.