Ich kotze in die Zeitung

Die Zeitung von gestern taugt […] im besten Falle noch dafür, als Unterlage in einem Vogelkäfig benutzt zu werden, um den Kot der darin eingesperrten Vöglein vom Kasten fern zu halten. Im Regelfall wird sie allerdings zu genau dem Altpapier, das sie konzeptionell bereits bei ihrer Herstellung war.

Elias Schwerdtfeger

Und stetig herrscht der Kreisverkehr am Deisterplatze, die einen wollen rein und die anderen wollen raus. So geht es rund und rund, bis einem ganz schwindlig von alledem wird. Raus wollen wohl immer noch viele „Bewohner“ der größten Baustelle der Stadt Hannover, auf der inzwischen sogar wieder etwas Bautätigkeit zu bewundern ist. Wohl auch, weil einige Investoren da schon so viel reingebuttert haben und doch noch etwas rauskriegen wollen — zumindest ein bisschen mehr als einen Totalverlust. Und deshalb stecken sie halt noch etwas Geld hinein in das schier unersättliche Millionengrab aus Beton. Dass man die Substanz der Tiefgarage nicht allzu lange dem Risiko eines möglichen Hochwassers aussetzen will, ist der verständliche Teil daran. Vermutlich haben sich nach dem Frühjahr selbst die reinrassigen Geldanbeter aus den glanz- und raubvollen Banktempeln insgeheim beim Herrgott bedankt, dass es kein an der Substanz nagendes, typisches Frühjahrshochwasser gab und dass so die Sprengung der Betonburg noch einmal hinausgezögert werden konnte. Der etwas weniger verständliche Teil ist das werkelnde Gewusel in den Läden der zukünftigen Pleitiers an der Blumenauer Straße. Bei dem vielen Kreisverkehr an einem betonblühenden Park und dem ganzen Schwindel drum herum könnte man den Deisterplatz glatt in die Blumenauer Straße verlegen, ein monströser Turm steht dort ja schon…

Aber das ist es ja gar nicht. Also: Das ist nicht das, was so unerträglich juckt, dass der schattenhafte Beobachter am Deisterplatz so sehr von seinem Juckreiz gequält wird, dass er sich einfach mit ein paar hingekratzten Zeilen Text Erleichterung verschaffen muss. Nein, das heutige Juckpulver ist ein ganz anderes, es fand sich im Lindenspiegel für den Monat Juni 2009, der gerade ganz frisch in die arg- und wehrlosen Briefkästen Lindens gestopft wurde, um den Menschen in Linden den beginnenden Sommer zu vermiesen.

weiter…

Botellón in Linden?

Am morgigen Samstag, den 25. April, soll an einem zurzeit noch nicht bekanntgegebenen Ort in Linden ein Botellón stattfinden. Anders, als der verlinkte Wikipedia-Artikel vermuten lässt, geht es den Veranstaltern — einer sich selbst als „Interessengemeinschaft Lebendiges Linden 2.0“ bezeichnenden Gruppe — aber keineswegs um Randale im besinnungslosen Suffkopp, sondern um eine fröhliche, spontane, locker organisierte Party im öffentlichen Raum.

Wir treffen uns, um zu feiern, nicht um wie in Frankreich Vororte anzuzünden. Eigentlich gibt es selten Zwischenfälle.

Der massenhafte Konsum alkoholhaltiger Getränke dürfte aber dennoch nur wenig Attraktivität für Abstinenzler entfalten. Offenbar gab es bereits einen Versuch der gleichen Veranstalter, ein Botellón ins Leben zu rufen.  Mir liegen jedoch keinerlei Informationen darüber vor, was aus diesem Ansinnen geworden ist.

Es gibt übrigens keinen Bezug dieser Pläne zum eingetragenen Verein Lebendiges Linden. Vermutlich werden die Mitglieder dieses Vereines auch nicht gerade angetan davon sein, dass eine Google-Suche nach „Interessengemeinschaft Lebendiges Linden“ zurzeit den Twitter-Kanal der Veranstalter an erster Stelle aufführt.

Die gesamte „Organisation“ des hoffentlich friedlichen und fröhlichen Treffens soll über diesen eigens dafür eingerichteten Twitter-Kanal erfolgen. Dort wird auch in den nächsten Stunden der Treffpunkt bekanntgegeben werden. Vermutlich wird die Reichweite des Mediums „Twitter“ von den Veranstaltern etwas überschätzt, denn die meisten möglicherweise interessierten Menschen werden nicht einmal wissen, um was es sich dabei handelt.

Ich stehe einem solchen Ereignis, dass vor allem den Eindruck eines geplanten, kollektiven Besäufnisses im öffentlichen Raume erweckt, sehr zwiespältig gegenüber. Aber es sollte jedem Menschen in Linden die Möglichkeit gegeben werden, sich selbst über die geplanten Aktivitäten zu informieren — bevor ein stark angeheiterter Haufen Menschen die Straße vor seinem Fenster für sich nutzt. Deshalb hier noch einmal zur allgemeinen Information in Kürze die wichtigsten Links auf die Internet-Aktivitäten der so genannten „Interessengemeinschaft Lebendiges Linden 2.0“:

Wer nähere Informationen zu den in meinen Augen recht konspirativen Vorbereitungen hat, fühle sich so frei, diese als Kommentar zu diesem Beitrag zu hinterlegen. (Offensichtlich illegale Aufrufe werden hier schnellstmöglich gelöscht.)